CDU stärkt Merz den Rücken vor Wahlmarathon
Autor: Michael Fischer, Jörg Blank, Sascha Meyer und Nico Pointner, dpa
, Freitag, 20. Februar 2026
Das haben ihm angesichts der Unzufriedenheit in der CDU viele nicht zugetraut: Merz übertrifft bei der Wahl zum Parteivorsitzenden das Ergebnis, das er vor zwei Jahren erzielt hat.
Die CDU hat ihrem Vorsitzenden Friedrich Merz vor den fünf Landtagswahlen in diesem Jahr und schwierigen Reformentscheidungen demonstrativ den Rücken gestärkt. Beim Parteitag in Stuttgart erhielt der Kanzler bei seiner zweiten Wiederwahl als Parteichef 91,17 Prozent der Stimmen und damit 1,4 Prozentpunkte mehr als bei der jüngsten Wahl vor zwei Jahren (89,8). Bei seiner ersten Wahl 2022 erreichte er allerdings mit 95,3 Prozent ein besseres Ergebnis.
Merz nahm die Wahl an. «Ich bedanke mich herzlich und sage: Auf weiter gute Zusammenarbeit in der CDU Deutschlands.» Für den 70-Jährigen stimmten 878 Delegierte. Es gab 85 Nein-Stimmen und 14 Enthaltungen. Die CDU, die anders als andere Parteien Enthaltungen nicht wertet, errechnete daraus ein Ergebnis von 91,17 Prozent. Enthaltungen mitgerechnet, betrug das Ergebnis 89,87 Prozent.
Merkel bei Verkündung des Ergebnisses schon nicht mehr da
Viele hatten Merz eine Verbesserung seines Ergebnisses von 2024 nicht zugetraut. Einige hatten sogar gesagt, Hauptsache er bekomme ein besseres Ergebnis als CSU-Chef Markus Söder, der im vergangenen September auf 83,6 Prozent abgestürzt war - dessen bisher schlechtestes Ergebnis. Die bevorstehenden Landtagswahlen dürften dazu beigetragen haben, dass sich die Partei hinter Merz versammelt hat.
Ex-Kanzlerin Angela Merkel, die zum ersten Mal seit ihrem Ausscheiden aus der aktiven Politik an einem Parteitag teilnahm, verließ die Stuttgarter Messehalle vor Verkündung des Ergebnisses. Sie verabschiedete sich vorher freundlich von Merz und seiner Frau Charlotte. Die Wahl des Parteichefs hatte sich zuvor um mehr als drei Stunden verzögert.
Merz mahnt Disziplin in der Koalition an
Merz hatte die CDU in seiner weit mehr als einstündigen Parteitagsrede zur Geschlossenheit aufgerufen – und gleichzeitig von Union und SPD eine konstruktivere Regierungsarbeit gefordert. «Wir müssen heraus aus dem Zustand, dass ein Koalitionspartner Vorschläge macht, die der andere ritualhaft zurückweist. Beide müssen da heraus», sagte er.
Der Kanzler nahm aber auch die Kritik an, er habe die Latte für die schwarz-rote Koalition zu hoch gelegt. «Vielleicht haben wir nach dem Regierungswechsel nicht schnell genug deutlich gemacht, dass wir diese gewaltige Reformanstrengung nicht von heute auf morgen schaffen werden.»
Dauerhafte Absage an Zusammenarbeit mit AfD
Einem Aufweichen der Abgrenzung zur AfD erteilte Merz eine kategorische Absage. Er wolle den Wählerinnen und Wählern in ganz Deutschland sagen: «Ich habe mich abschließend entschieden, die Zustimmung zu unserer Politik ausschließlich in der politischen Mitte unseres Landes zu suchen.» Gerade die Christdemokraten müssten alles tun, dass das Erbe der Geschichte des Landes nicht verspielt werde nur um eines kurzfristigen Machterfolges mit rechtspopulistischen Kräften willen. Man werde es nicht zulassen, «dass diese Leute von der sogenannten "Alternative für Deutschland" unser Land ruinieren.»