Wo die deutsche Autoindustrie steht und wie es weitergeht
Autor: Robin Wille, Frank Johannsen, Christof Rührmair, dpa
, Donnerstag, 29. Januar 2026
Krise trotz Milliardengewinnen? Die deutsche Autoindustrie steckt 140 Jahre nach der Patentanmeldung von Carl Benz mitten in der Transformation. Zwei Experten wagen einen Blick in die Zukunft.
Vor 140 Jahren veränderte Carl Benz die Welt. Am 29. Januar 1886 meldete er das Patent für sein «Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb» unter der Nummer 37435 beim Kaiserlichen Patentamt in Berlin an. Vielen gilt das als Geburt des modernen Automobils. Und als Grundstein für eine der größten Erfolgsgeschichten der deutschen Wirtschaft.
Die Autos haben Deutschland in die Weltspitze der Industrienationen katapultiert. Sie haben den Deutschen hunderttausende Arbeitsplätze und gute Gehälter beschert. Die Verbrenner standen für Ingenieurskunst und höchste Qualität. Ob in New York, Shanghai oder Kinshasa: Mercedes-Benz, BMW, Audi, Porsche und VW kennen die Menschen überall.
Und heute?
Heute sieht die deutsche Autoindustrie aus als hätte jemand mit dem Schlüssel einen fetten Kratzer entlang des Fahrzeugs gezogen. Das lässt sich noch reparieren, aber sieht schon doof aus. Die Gewinne sind eingebrochen und die Hersteller steuern mit Sparprogrammen gegen. Elektromobilität und Softwareentwicklung werden immer wichtiger. Die Konkurrenz ist besser geworden, in manchen Bereichen gar enteilt.
Wie schlimm ist die Krise der deutschen Autobauer?
Ganz allgemein möchte Frank Schwope nicht von einer Krise sprechen. «Die Hersteller haben große Probleme, aber keine Krise», sagt der Autoexperte und Lehrbeauftragte an der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) Köln. Schließlich würden die Hersteller noch immer deutliche schwarze Zahlen schreiben und Dividenden ausschütten. «Solange sie Dividenden ausschütten können, sind die Konzerne nicht in der Krise», sagt Schwope. Vorübergehend seien die Gewinne auskömmlich, aber die Autobauer müssten wieder profitabler werden.
Die Zulieferer seien hingegen wirklich in der Krise, sagt Schwope. Sie bauen Stellen ab, schließen ganze Standorte, stellen komplette Sparten zum Verkauf. Die Transformation zum E-Auto trifft viele Zulieferer besonders hart, weil ihre Teile nicht mehr gebraucht werden. Verschärft wird das noch durch den Kostendruck, den die großen Autobauer gern an ihre Lieferanten weitergeben.
Tatsächlich fahren die deutschen Hersteller noch immer Milliardengewinne ein. So auch im Geschäftsjahr 2024, in dem die Autobauer bereits ordentlich Rückgänge verbuchten. Unter dem Strich machte Mercedes 2024 noch immer einen Gewinn von 10,4 Milliarden Euro. Bei BMW waren es rund 7,7 Milliarden Euro. Beim Volkswagen-Konzern über zwölf Milliarden Euro. 2025 sind die Gewinne weiter eingebrochen, trotzdem dürften noch Milliarden übrig bleiben. Finale Zahlen liegen noch nicht vor.