Die Junge Union stellt sich bei ihrem Deutschlandtag als die Hoffnung der stark angeschlagenen Union dar. Heute tritt derjenige dort auf, dem die Krise maßgeblich angelastet wird.
Der angeschlagene Bundeskanzler Friedrich Merz trifft heute beim Deutschlandtag der Jungen Union in Bonn auf eine selbstbewusste Parteijugend. «Unsere Generation hat mit dieser Union noch einiges vor», sagte der JU-Vorsitzende am Abend zum Auftakt des Deutschlandtags des Parteinachwuchses von CDU und CSU. «Und wir werden diejenigen sein, die die Geschichte der Volkspartei von CDU und CSU erfolgreich weiterschreiben.»
Das Selbstbewusstsein der Jugendorganisation inmitten der tiefen Krise der CDU spiegelte sich auch im Ergebnis bei Winkels Wiederwahl als JU-Chef wider. Er erhielt nach Angaben der Zählkommission 265 von 283 gültigen Stimmen. Ohne die zwei Enthaltungen, die bei der Union anders als bei anderen Parteien nicht mitgezählt werden, kommt der 34-jährige Jurist damit auf 94,3 Prozent Zustimmung. 2024 hatte Winkel 90,5 Prozent der Delegiertenstimmen erhalten. Bei seiner ersten Wahl im November 2022 waren es 87,0 Prozent.
«Lassen uns nicht von Schwesig belehren»
Winkel begann seine Rede mit einer scharfen Attacke gegen Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig. In Anspielung auf deren früheren Einsatz für die deutsch-russische Pipeline Nord Stream 2 warf er ihr vor, sie habe sich «von Russland kaufen lassen». Die Vorwürfe Schwesigs, die CDU sei «unmenschlich» mit der nach dem Tod ihrer Stieftochter zurückgetretenen Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) umgegangen, wies Winkel erneut zurück. «Wir lassen uns ganz bestimmt nicht von Manuela Schwesig belehren, wenn es um Anstand und Haltung in der deutschen Politik geht.»
Winkel grenzte sich auch klar von der AfD ab. Solange diese «völkische Positionen bezieht und Extremisten in ihre Reihen holt, so lange werden wir nicht mit dieser Partei zusammenarbeiten», betonte er. «Das ist für mich eine Frage des Charakters und nicht der Umfragewerte.»
Wüst spricht von «Schande für die Hauptstadt»
Vor ihm hatte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) als erster prominenter Gast beim Deutschlandtag vor politischen Extremisten von links und rechts gewarnt. Besonders scharf kritisierte er die Sondierungen von Linken, Grünen und SPD nach dem Wahlsieg der Linken in Berlin.
«Die Verhandlungen in Berlin mit dem Ziel, die Linke an die Macht zu bringen, sind eine Schande für die Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland», rief Wüst den Delegierten zu. «Das Gift des Antisemitismus ist tief eingesickert in die Berliner Linke. Es liegt jetzt an SPD und Grünen, diese Schande zu beenden.»
Offene Konfrontation beim letzten Merz-Auftritt bei der JU
Wüst, der als möglicher Nachfolger von Merz im Kanzleramt gehandelt wird, erhielt eineinhalb Minuten Applaus im Stehen für seine Rede. Mit Spannung wird nun erwartet, wie Merz sich am Samstagvormittag in seiner Rede schlägt. Er war im vergangenen Jahr heftig mit den Delegierten aneinandergeraten.