«Wieder ein Jahr ohne normales Leben»
Autor: Birgit Reichert, dpa
, Sonntag, 22. Februar 2026
Eine junge Ukrainerin sucht erneut in der Eifel Zuflucht. Für sie ist ein normales Leben in Kiew unmöglich geworden. Was sie nach vier Jahren Krieg bewegt.
Auch in der Eifel ist der Ukraine-Krieg für Veronika Ivchenko ganz nah. Immer wieder schaut sie auf eine App auf ihrem Handy. «Hier gibt es jetzt einen Luftalarm wegen Drohnen», sagte die 19-Jährige und zeigt die Region Sumy im Nordosten der Ukraine, die Rot angezeigt wird. Und dann der Check ihrer Heimatstadt: «In Kiew ist gerade nichts.»
Die zierliche junge Frau ist zurück im Eifeldorf Fleringen. Bei einer Familie, die sie kurz nach Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine vor vier Jahren schon einmal lange aufgenommen hatte. Eigentlich, sagt sie, wollte sie nur zum Weihnachtsurlaub kommen. Jetzt aber bleibe sie noch.
«Das Leben in Kiew ist fast unmöglich geworden», sagt Ivchenko. Nach den russischen Angriffen im Winter habe sie - wie viele andere - in ihrer Wohnung in Kiew kein Wasser und keine Heizung mehr. Und es gebe meist auch keinen Strom: «Es ist dunkel, der Kühlschrank geht nicht, ich habe kein WLAN.» Und ohne WLAN könne sie nicht weiter studieren.
Luftalarm und Panikattacken
Denn ihre Universität in Kiew habe auf Online-Unterricht umgestellt, als die Temperaturen im Gebäude unter Null waren. Im Eifelort Fleringen kann Ivchenko, die Nika genannt werden will, ihr Studium der Politik und Wirtschaft fortsetzen. «Ich schalte mich jeden Tag zu den Kursen dazu und bin dabei.»
Der anhaltende Krieg setzt Nika zu. Mit Sorge sehe sie die Entwicklung: «Mit jedem Jahr wird es schlechter», sagt sie zum vierten Jahrestag des Ausbruchs. «Wieder ein weiteres Jahr ohne normales Leben.» Eigentlich, habe sie früher gedacht, könne es gar nicht schlechter werden. Ihre Mutter und viele ihrer Freundinnen und Freunde lebten in Kiew.
Im vergangenen Jahr habe sie selbst oft Luftalarm erlebt, erzählt sie. Sie wohne in einem Viertel, das nahe am Flughafen liege. «Das heißt, die Raketen kommen fast jeden Tag.» An einem einzigen Tag sei ihre gesamte Straße zerstört worden - nur nicht ihr Haus.
«Leider war ich an diesem Tag aus Dummheit zu faul, in den Schutzraum zu gehen und hörte alle Einschläge.» Sie könne kaum sagen, wie furchtbar das war. «Von da an bekam ich bei jedem Luftalarm Panikattacken. Ich zitterte, war atemlos und konnte nicht mehr laufen.» Zwei bis drei Monate habe sie kaum schlafen können.