Wie ist die Stromversorgung geschützt und wer greift sie an?
Autor: Anne-Beatrice Clasmann, dpa
, Mittwoch, 02. Sept. 2026
Warum Sicherheitsbehörden oft im Dunkeln tappen und Betreiber mehr Unterstützung fordern: Wer steckt hinter den Angriffen auf das Stromnetz und wie könnte es besser geschützt werden?
Innerhalb kürzester Zeit gibt es zwei Angriffe auf die Stromversorgung in Deutschland mit spürbaren Auswirkungen. In Brandenburg bringen Unbekannte mittels selbstgebauter Flugkörper, die Silvesterraketen ähneln, leitfähiges Material in Höchstspannungsleitungen am Umspannwerk Turnow-Preilack, um Kurzschlüsse herbeizuführen. In Bergheim bei Köln wird durch einen vorsätzlich herbeigeführten Kurzschluss eine Störung am Umspannwerk verursacht, wodurch fünf Braunkohle-Kraftwerksblöcke vom Netz gehen.
In beiden Fällen bleibt die Sabotage jedoch ohne Auswirkungen auf die allgemeine Stromversorgung - anders als in Berlin Anfang des Jahres, wo ein Brandanschlag auf eine Kabelbrücke einen mehrtägigen, großflächigen Stromausfall auslöste, von dem Zehntausende Menschen betroffen waren. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Sicherheit von Anlagen mit großer Relevanz:
Wie gut ist die Stromversorgung in Deutschland geschützt?
Der Energiesektor zählt zur kritischen Infrastruktur, also zu den Einrichtungen, die wichtig sind für das Funktionieren eines Gemeinwesens. «Grundsätzlich sind Kritische Infrastrukturen in Deutschland sehr gut geschützt», heißt es vom Bundesinnenministerium. Allerdings ist sowohl aus den Sicherheitsbehörden als auch von den Betreibern der Anlagen oft zu hören, es sei nicht möglich, jeden Strommast und jedes Bahngleis abzuriegeln beziehungsweise zu bewachen.
Der Schutz besteht vor allem aus technischen Vorkehrungen, Notfall- und Wiederanlaufplänen. «Es kann uns jederzeit an jedem Ort treffen, weil es trotz aller Vorkehrungen, die wir in den Unternehmen bereits leisten und intensivieren müssen, keine 100 Prozent Sicherheit gibt», sagt der Hauptgeschäftsführer des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), Ingbert Liebing.
Wer trägt die Verantwortung?
Das Bundesinnenministerium erklärt: «Den Schutz dieser Infrastrukturen zu gewährleisten, ist eine Kernaufgabe für Staat und Wirtschaft und ein zentrales Thema der Sicherheitspolitik Deutschlands.» Zuletzt waren die gesetzlich geregelten Pflichten für Betreiber kritischer Infrastruktur verschärft worden. Das gilt sowohl für den Schutz vor Cyberattacken als auch für den physischen Schutz. Etwa sind Risikoanalysen vorgeschrieben, Sicherheitsvorfälle müssen gemeldet werden.
Die Betreiber sind allerdings unzufrieden mit den insgesamt eher mageren Ermittlungsergebnissen zu den zahlreichen Sabotagefällen der vergangenen Jahre. «Die Täter müssen endlich dingfest gemacht werden», sagt Liebing. Der VKU wünscht sich von Bund und Ländern auch finanzielle Unterstützung für wirksame Schutzkonzepte. Liebing sagt: «Der Staat darf seine Verantwortung für die öffentliche Sicherheit nicht auf die Unternehmen abwälzen.»
Werden mehr Vorfälle gemeldet?
Insgesamt ja. Nach dem BSI-Gesetz sind Betreiber kritischer Infrastruktur verpflichtet, erhebliche Sicherheitsvorfälle an das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zu melden und tun dies auch. Das BSI stelle dabei beispielsweise vermehrt Meldungen zu Drohnenüberflügen fest, sagt ein Sprecher der Behörde.