Bei den Verkaufsformaten experimentiert Ikea ebenfalls. Ende Juni eröffnete der Konzern in Ingolstadt seine erste Kleinformat-Filiale in Deutschland. Mit knapp 3.000 Quadratmetern ist sie deutlich kleiner als die normalen Einrichtungshäuser, die im Schnitt mehr als zehnmal so groß sind. Erhältlich sind knapp 2.700 Produkte – weit weniger als sonst üblich.
Der Fokus liegt auf Wohnaccessoires, kleineren Möbeln sowie Küchen- und Haushaltsartikeln. Ikea wirbt mit einer zentraleren, stadtnäheren Lage. Kommen noch mehr Kleinformat-Filialen? Das beantwortet das Unternehmen nicht. Man stehe mit unterschiedlichen Anbietern im Austausch und ziehe für innerstädtische Formate alle zentrumsnahen Standorte und Optionen in Betracht, die den Anforderungen entsprächen, heißt es.
«Als Unternehmen sind wir grundsätzlich neugierig»
Atzberger sagt: «Ikea versucht, die Kunden auf unterschiedlichen Wegen zu erreichen und ihnen den Einkauf möglichst bequem zu machen.» Vor allem in Städten hätten viele Menschen kein Auto, um zu den großen Ikea-Filialen auf der grünen Wiese zu fahren.
Im Großraum München und im Rhein-Main-Gebiet testet Ikea seit kurzem Abholstationen auf Parkplätzen von Aldi Süd. Kunden können ihre bestellte Ware an Lieferfahrzeugen abholen. Am Nürnberger Hauptbahnhof eröffnete das Unternehmen kürzlich einen 50 Quadratmeter großen, temporären Pop-up-Store. Weitere solcher Läden gibt es in der Bremer Innenstadt und in einem Einkaufszentrum in Regensburg. Ob weitere hinzukommen, wird geprüft. «Als Unternehmen sind wir grundsätzlich neugierig», sagt Ikea.
Daneben gibt es weitere Neuerungen: Seit Juni dürfen Kunden ihre Hunde in alle Ikea-Filialen mitbringen. Im Einrichtungshaus Hamburg-Altona soll im Sommer 2027 der Sportartikelhändler Decathlon einziehen – ein Novum.
Gelingt die Wende?
Die Möbelbranche in Deutschland steckt seit längerem in der Krise. 2025 sanken die Erlöse der Hersteller zum dritten Mal in Folge auf den niedrigsten Stand seit 2009. Im ersten Halbjahr dieses Jahres wurde erneut weniger Umsatz gemacht. Der Handel ist von der Flaute ebenso betroffen.
«Ikea hofft nicht einfach auf bessere Zeiten, sondern handelt», sagt Handelsexperte Atzberger. Dies sei ein Zeichen von Stärke. Hoog verweist auf weitere Anreize, die Ikea setze. Im Vorteilsprogramm «Ikea Family» können Kunden Punkte sammeln, die sie gegen Rabatt-Coupons eintauschen können. Hinzu kommen günstige Gastronomie-Angebote wie das Ein-Euro-Frühstück und Einkaufsgutscheine, die Kunden beim Restaurantbesuch erhalten.
Alles ziele darauf ab, Kunden zu binden und zu regelmäßigen Besuchen zu bewegen, sagt Hoog. «Ikea testet in meinen Augen nicht aus Unentschlossenheit, sondern um herauszufinden, welche Kundennähe sich wirtschaftlich trägt.» Die entscheidende Frage sei allerdings, ob die Maßnahmen zusätzliche Nachfrage schafften oder sich Umsätze hauptsächlich verlagerten.