Wie Ghana den Elektroschrott als Chance nutzen will
Autor: Christina Peters, dpa
, Mittwoch, 14. Oktober 2026
Brennende Kabel, giftiger Rauch: Ein Schrottplatz in Ghana wurde zum Sinnbild der globalen Elektroschrottkrise. Doch die Menschen dort verstehen etwas vom Recycling. Nun sollen sie es sauberer machen.
Der Akku hält nicht mehr bis zum Abend, also muss ein neues Handy her. Dazu Ladekabel, Kopfhörer, eine elektrische Zahnbürste, ein Standmixer und eine sparsamere Waschmaschine. Eine Rekordmenge von rund 3,4 Millionen Tonnen neuer Elektrogeräte kam 2025 in Deutschland auf den Markt, wie aus vorläufigen Daten der Stiftung Elektro-Altgeräte Register hervorgeht. Nur rund 960.000 Tonnen Altgeräte wurden offiziell eingesammelt. Die gesetzliche Sammelvorgabe verfehlt Deutschland seit Jahren.
Dabei stecken in den Geräten Kupfer, Aluminium, Gold und andere begehrte Rohstoffe. Laut einer Studie im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe ließen sich durch bessere Sammlung und Verwertung jährlich zusätzliche Rohstoffe im Wert von mehr als zwei Milliarden Euro zurückgewinnen. Weltweit fielen nach UN-Angaben 2022 rund 62 Millionen Tonnen Elektroschrott an. Nur gut ein Fünftel wurde nachweislich ordnungsgemäß gesammelt und recycelt.
Ein Teil des Elektroschrotts gelangt trotz Exportverboten illegal nach Afrika, etwa als angeblich funktionsfähige Gebrauchtware. Doch selbst kaputte Geräte können dort noch Geld bringen: Sie werden repariert, als Ersatzteillager genutzt oder wegen ihrer Rohstoffe zerlegt. Wie eng Geschäft und Umweltzerstörung dabei beieinanderliegen, zeigt sich in Ghanas Hauptstadt Accra.
Der Schrottplatz als Rohstoffquelle
2013 zählten zwei Umweltorganisationen Agbogbloshie in Ghanas Hauptstadt Accra zu den zehn am stärksten verschmutzten Orten der Welt. Bilder junger Männer, die Kabel verbrennen, um das Kupfer zu lösen und weiterzuverkaufen, gingen um die Welt. 2021 ließen die Behörden die Halde im Stadtteil Old Fadama räumen, doch die Händler machten anderswo weiter - und kehren mittlerweile zurück. Zehntausende Menschen leben in Accra Schätzungen zufolge direkt oder indirekt von der Verarbeitung alter Elektronik.
Nur wenige Minuten vom Zentrum der Millionenmetropole entfernt erstrecken sich Müllberge, Marktstände und Händlerbuden unter Wellblechdächern und ausgeblichenen Sonnenschirmen entlang einer verdreckten Lagune. Am Eingang einer Gasse steht Yakubu Adam, ein hagerer 53-Jähriger in einem gelben Borussia-Dortmund-Trikot. Seine Lieferanten ziehen in Accra von Tür zu Tür und kaufen ein, was andere nicht mehr brauchen. Er prüft die Ware und verkauft weiter, was noch funktioniert.
Einige Meter entfernt schraubt ein gut gelaunter Mann, der sich als Fuseni vorstellt, in einem engen Verschlag voller Kabel an Halbleiterelementen. Bis zu 20 Stück repariere er am Tag, für umgerechnet drei Euro das Stück. Auch größere Aufträge werden hier erledigt: Alaiku Abdul Razak fertigt mit rund 20 Mitarbeitern Ersatzteile für Maschinen. Die Skizzen schicken ihm Kunden per WhatsApp.
Kupfer gewinnen, ohne Kabel zu verbrennen
«Wir haben immer nur die Umweltverschmutzung bei ihrer Arbeit im Blick. Dabei vergessen wir, welchen wirtschaftlichen Wert sie schaffen», sagt Vincent Kyere, Projektleiter für Elektroschrott im ghanaischen Umweltministerium.