Können die Anlagen in jedem Fluss installiert werden?
Die Voraussetzungen sind laut Energyminer, dass der Fluss an der vorgesehenen Stelle mindestens etwa einen Meter tief ist und eine Fließgeschwindigkeit von mindestens einem Meter pro Sekunde erreicht.
«Wir brauchen weder Staudämme noch andere Veränderungen des Flusses selbst, wir nehmen nur einen kleinen Teil des Querschnitts ein, der Fluss bleibt so natürlich, wie er ist», sagt Georg Walder, der Energyminer zusammen mit Richard Eckl leitet.
Was passiert bei Hochwasser?
Im Fall eines Hochwassers tauchen die Anlagen ab und vermeiden so das Aufeinandertreffen mit Treibgut. Durch die erhöhte Fließgeschwindigkeit sinken die Anlagen, da die Strömung sie zieht, doch die Anker sie festhalten, wie Niebuhr erklärt. «Das funktioniert rein physikalisch, dafür braucht es keine eingebaute Technik, die im Zweifel kaputtgehen könnte», sagt die technische Leiterin.
Sind die Anlagen gefährlich für Fische?
Mit der Frage der Fischverträglichkeit hat sich eine Studie der Technischen Universität in München im Auftrag von Energyminer beschäftigt. Bei konventionellen Wasserkraftwerken könne die Sterblichkeit von Fischen erheblich sein, sagt Jürgen Geist, Professor für Aquatische Systembiologie an der TU München. Sie sei unter anderem von der Drehzahl der Turbine oder auch der Fallhöhe abhängig. Unter ungünstigen Bedingungen könne jeder zweite Fisch sterben, sagt Geist.
Bei hydrokinetischen Wasserkraftanlagen - zu denen die Energyfische zählen – ließe sich festhalten, dass sie deutlich weniger Einflüsse auf den Lebensraum der Fische haben als konventionelle Kraftwerke, sagt der Professor. Die Fische hätten mehr Möglichkeit, die Anlagen zu umschwimmen. Der Betrieb der Energyfisch-Anlage hat das Verhalten der Fische im untersuchten Gewässerabschnitt laut Geist nicht beeinflusst.
Was sind die Vorteile von Wasserkraft generell?
Nach Angaben des Geschäftsführers des Bundesverbandes Deutscher Wasserkraftwerke (BDW) e.V., Helge Beyer, ist Wasserkraft nicht nur eine wichtige erneuerbare Energiequelle, sondern auch die älteste. Eine Besonderheit der Stromerzeugung mit Wasserkraft ist seiner Ansicht nach der Qualitätsaspekt.
«Die Energie ist stetig, das heißt, sie ist stabil und verlässlich verfügbar und nicht schwankend wie etwa Solar- oder Windenergie, die nunmal von instabilen Faktoren abhängig ist», sagt Beyer. Dadurch stabilisiere die Wasserkraft die Netze, schaffe Versorgungssicherheit und Krisen-Resilienz.
Womit punkten die Energyfische noch?
Dem Energyminer-Co-Chef Walder zufolge können die Energyfish-Schwarmkraftwerke deutlich schneller genehmigt werden als klassische Wasserkraftwerke. Er nennt eine ungefähre Dauer von drei bis sechs Monaten. Zudem könnten die Anlagen schnell aufgebaut werden, ergänzt Niebuhr. Nach Unternehmensangaben dauert das Einsetzen von zehn Anlagen etwa drei Tage.
Zum Vergleich: Bei konventionellen Wasserkraftwerken dauert es laut BDW-Chef Beyer etwa sieben Jahre, bis eine Ertüchtigung oder ein Neubau eines Wasserkraftwerks bewilligt wird.
Heißt es jetzt: neue gegen alte Wasserkraft?
Nein, aus Walders Sicht nicht: «Wir sind nicht gegen klassische Wasserkraftwerke – im Gegenteil: Wir sehen uns als Ergänzung.» Bei den verschiedenen Anlagen werde nicht das gleiche Ziel verfolgt. «Während es bei den großen Anlagen darum geht, möglichst viel Ertrag zu haben, wollen wir bisher ungenutztes Potenzial erschließen – also vor allem die Flussabschnitte erschließen, die für klassische Wasserkraftwerke nicht geeignet sind.»
Was kostet Strom aus einem Energyfisch?
Die Stromgestehungskosten liegen dem Unternehmen zufolge inklusive Investitions-, Betriebs- und Wartungskosten bei rund acht Cent pro Kilowattstunde. Für Käufer der Schwarmkraftwerke bedeute das demnach eine durchschnittliche Jahresrendite von mindestens acht Prozent über die Projektlaufzeit von 20 Jahren.
Könnte ganz Deutschland von Energyfischen versorgt werden?
Die technische Leiterin von Energyminer ist überzeugt, dass die Technik aufgrund der vielen möglichen Standorte für den breiten Einsatz geeignet sei. Eine Potenzialstudie habe ergeben, dass das technische Potenzial allein in der DACH-Region 50 Terawattstunde betrage.
Eine einzelne Technologie kann einem Sprecher des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft zufolge nicht den Energiebedarf Deutschlands decken. «Dafür braucht es ein breites, aufeinander abgestimmtes Zusammenspiel verschiedener Erzeugungsformen, Infrastrukturen und Speichern», führt er aus. Dennoch seien Projekte wie Energyfish wichtige Impulse für ein klimaneutrales und resilientes Energiesystem.