Wie der Iran-Krieg immer mehr Firmen und Verbraucher erfasst
Autor: den dpa-Korrespondenten
, Samstag, 21. März 2026
Teures Öl, blockierte Handelswege, Mehrkosten für Firmen und Haushalte: Die Kämpfe im Iran haben längst Folgen für Deutschland. Welche Branchen besonders betroffen sind - und wo es Lichtblicke gibt.
Der Krieg im Nahen Osten ist Tausende Kilometer von Deutschland entfernt und hat doch längst Firmen und Verbraucher erreicht. Nicht nur an Tankstellen spüren die Menschen den Ölpreisschock, er droht sich über höhere Energie- und Transportkosten tief in viele Lebensbereiche und Branchen zu fressen. Ökonomen rechnen mit einer deutlich anziehenden Inflation und einem Dämpfer für die ohnehin anfällige Konjunkturerholung in Deutschland, vor allem sollten die Kämpfe lange andauern. Ein Überblick, wie der Krieg immer mehr die Wirtschaft trifft und was auf Verbraucher zukommt.
Lebensmittel
Forscher befürchten, dass der Krieg die Lebensmittelpreise hoch treibt. Handelsexperte Carsten Kortum rechnet vor allem bei energieintensiven Produkten wie Backwaren, Milchprodukten sowie verarbeiteten Lebensmitteln wie Tiefkühlkost oder Getränken mit steigenden Preisen. Auch Produkte mit langen Lieferwegen wie Fisch oder Obst könnten wegen höherer Logistik- und Beschaffungskosten teurer werden, sagte der Professor an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Heilbronn. «Zunächst sind einzelne Spezialitäten sowie Obst und Gemüse betroffen, mittelfristig zieht der Preisdruck jedoch durch weite Teile des Lebensmittelkorbs.»
Laut Samina Sultan vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) ist die Lage bei Getreide, Mais, Soja und Reis besonders kritisch - wegen hoher Düngemittelpreise. «Hier sind Preissteigerungen wahrscheinlich», sagte die Ökonomin. Da Soja und Mais auch als Futtermittel verwendet werden, könne auch Fleisch teurer werden.
Die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie erwartet ebenfalls Folgen für die Preise. Die Kosten für Produktion und Auslieferung an den Lebensmittelhandel nähmen deutlich zu, sagte Geschäftsführer Olivier Kölsch. Holger Eichele vom Deutschen Brauer-Bund erklärte, dass steigende Energie- und Rohstoffpreise zu höheren Produktionskosten in der Getränkebranche führen könnten. Branchenexperte Kai Hudetz vom IFH Köln erwartet, dass der Handel Zusatzkosten mindestens teilweise an Verbraucher weiterreichen wird.
Autofahrer
Sie trifft es spürbar: Superbenzin war zuletzt mehr als 25 Cent je Liter teurer als vor Kriegsbeginn, Diesel um mehr als 40 Cent. Sollten die Preise auf dem aktuellen Niveau bleiben, würde das - grob auf typische Verbräuche und Jahresfahrleistungen hochgerechnet - einen Dieselfahrer pro Monat mit etwa 40 Euro zusätzlich belasten und den Fahrer eines Benziners mit rund 20 Euro.
Landwirtschaft
Die Bauern klagen über steigende Preise für Dünger und Sprit.
«Gerade jetzt für die Frühjahrsbestellung sind die sprunghaften Preissteigerungen beim Diesel besonders schmerzhaft, auch die Preise für Dünger schießen nach oben», sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied kürzlich. Von März bis Juni werde bis zu einem Drittel des Jahresverbrauches an Diesel benötigt.