Porsche-Gewinn stabilisiert sich - aber die Krise bleibt
Autor: Julian Weber, dpa, und Marco Engemann, dpa-AFX
, Mittwoch, 29. Juli 2026
Nach dem Krisenjahr 2025 will Porsche wieder auf Kurs kommen. Doch Probleme hat die Sportwagenbauer weiterhin zuhauf. Nun melden die Schwaben einen höheren Gewinn. Was dahintersteckt.
Der Gewinn des kriselnden Sport- und Geländewagenbauers Porsche hat sich in der ersten Jahreshälfte stabilisiert. Das Ergebnis nach Steuern lag von Januar bis Juni bei 1,07 Milliarden Euro, wie das Unternehmen mitteilte. Das ist fast die Hälfte mehr als im ersten Halbjahr 2025. Gründe seien unter anderem das konsequente Management von Kosten und Preisen. Porsche-Chef Michael Leiters teilte mit: «Vor uns liegt aber noch viel Arbeit, um Porsche robust für die herausfordernde Zukunft aufzustellen.»
Entwarnung bedeutet das Gewinnplus keinesfalls. Der Zuwachs geht zu einem großen Teil auf den Wegfall von Sonderkosten - unter anderem für die Korrektur bei der E-Auto-Strategie und den Konzernumbau - zurück. In Summe waren das im ersten Halbjahr 2025 rund 800 Millionen Euro. Das Konzernergebnis war damals unter anderem aus diesem Grund von 2,15 Milliarden auf gut 718 Millionen Euro abgesackt (minus 71 Prozent).
Im ersten Halbjahr 2026 lagen die Kosten für die strategische Neuaufstellung der VW-Tochter demnach bei rund 400 Millionen Euro. Diese seien allerdings großteils durch Verhandlungen mit Lieferanten kompensiert worden. «Diese ermöglichten Auflösungen von im Vorjahr im Kontext der Anpassung der Produktstrategie gebildeten Rückstellungen in Höhe von rund 300 Millionen Euro». Übrig blieb eine Belastung von rund 100 Millionen Euro. Das heißt: Ohne die aufgelösten Rücklagen stünde Porsche nicht viel besser da als im Vorjahr.
Finanzvorstand: Zahlen im Rahmen der Erwartung
Die Zahlen liegen Finanzvorstand Jochen Breckner zufolge im Rahmen der eigenen Erwartungen. Das Kostenmanagement zeige erste positive Effekte, teilte er mit. Trotz eines weiterhin herausfordernden Marktumfelds bestätige man die Jahresprognose. Die Ziele sind aber verhalten. Die Porsche-Führung peilt einen Umsatz von rund 35 bis 36 Milliarden Euro an. Davon soll auch wieder mehr operativer Gewinn übrig bleiben als im Vorjahr.
Der Umsatz der Zuffenhausener sank im ersten Halbjahr um gut fünf Prozent auf rund 17,23 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis stieg hingegen um ein Drittel auf fast 1,35 Milliarden Euro. Porsche steckt aktuell in der schwersten Krise seit Jahren. Hauptursachen sind das kriselnde China-Geschäft, die US-Zölle und die geringere Nachfrage nach E-Modellen.
Verkaufszahlen im Sinkflug
Wie tiefgreifend das Problem ist, zeigt ein Blick auf die Verkaufszahlen: Bereits 2025 sackte der Absatz um ein Zehntel ab - und lag mit 279.400 Fahrzeugen auf dem niedrigsten Stand seit dem Corona-Jahr 2020. Ein Trend, der sich in diesem Jahr bislang fortgesetzt und sogar verstärkt hat. Besonders dramatisch war die Situation in China. In der Volksrepublik haben sich die Verkaufszahlen zwischen 2021 und 2025 mehr als halbiert. Schnelle Besserung ist nicht in Sicht: Auch 2027 erwartet Breckner sinkende Absatzzahlen.
Das passt nicht zu den übergroßen Strukturen der Schwaben: Geplant war das Fertigungsnetz einmal für 350.000 Fahrzeuge pro Jahr. Aktuell sind die Werke wegen der schwächelnden Nachfrage daher alles andere als ausgelastet - viele Kosten laufen aber wie gewohnt weiter. Die Devise des Managements lautet daher: Porsche muss kleiner werden. Außerdem will der Konzern wieder mehr Autos mit Verbrennungsmotor entwickeln und produzieren.