Was wird nun aus der SPD, der Koalition und den Reformen?
Autor: Theresa Münch und Michael Fischer, dpa
, Montag, 23. März 2026
Die SPD liegt nach der Wahl in Rheinland-Pfalz am Boden. Geht es Parteichef Klingbeil jetzt an den Kragen? Kann Merz die Koalition zusammenhalten? Und ist eine große Reformagenda jetzt noch drin?
In Baden-Württemberg fast aus dem Landtag geflogen, in Rheinland-Pfalz den Ministerpräsidentenposten verloren: Die SPD ist mit zwei krachenden Niederlagen ins Superwahljahr 2026 gestartet. Das kann Folgen haben – für die Parteichefs, für die schwarz-rote Koalition und für die geplante Reformagenda.
Rollen in der SPD jetzt Köpfe?
Das will niemand ausschließen. Am Vormittag tagen die Parteigremien in Berlin. Und selbst Leute, die das Willy-Brandt-Haus seit vielen Jahren kennen, wollen nicht spekulieren, wie das ausgeht. Rücktrittsforderungen gegen Parteichef Lars Klingbeil gibt es zunächst zwar nur aus hinteren Reihen. Doch selbst der Vizekanzler und Co-Parteichefin Bärbel Bas sagen, natürlich müsse man diese Personaldebatten führen.
Was die Parteispitze aber auch sagt: Gerade ist es ungünstig. In Zeiten mit Krieg in der Ukraine und im Iran, mit Wirtschaftsflaute und dem großen Reformpaket vor der Tür dürfe sich die SPD nicht kopf- und führerlos mit sich selbst beschäftigen. So lautet offenbar das Narrativ, das man im Präsidium gefunden hat, um die Stimmung zu beruhigen.
Doch in der Fraktion sind viele die Sprechblasen der Parteispitze leid. Noch immer hat man Klingbeil nicht verziehen, dass er sich nach der Bundestagswahl eiskalt übergangsweise den Fraktionsvorsitz gegriffen und damit alle Macht auf sich konzentriert hat. Man wirft ihm vor, sich Kanzler Friedrich Merz anzubiedern, statt SPD-pur zu vertreten.
Welche Szenarien sind denkbar?
In der SPD wird der Ruf immer lauter, Partei- und Regierungsämter zu trennen. In der Vergangenheit ist man damit gut gefahren, bei Franz Müntefering etwa, der 2005 als SPD-Chef zurücktrat, aber Vizekanzler wurde. Oder mit Vizekanzler Olaf Scholz und den SPD-Chefs Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans. Aus dieser Zeit ging die SPD gestärkt hervor.
Manche meinen deshalb, Klingbeil müsse als Parteichef hinschmeißen. Doch muss das dann nicht auch für Bas gelten, die als Arbeitsministerin und Parteichefin ebenfalls eine Doppelrolle hat? Andere raten Klingbeil, das Parteiamt zu behalten, aber seine Ämter in der Regierung zu räumen. Doch dann würde womöglich Bas zur Vizekanzlerin aufrücken, die zu Kanzler Merz längst keinen so guten Draht hat. Die SPD würde vielleicht die entscheidende Achse der Koalition schwächen.
Denkbares, aber unwahrscheinliches Szenario ist eine Personalrochade: Klingbeil könnte den Fraktionsvorsitz anstreben und damit eine größere Umbildung auf der SPD-Seite des Kabinetts auslösen. Der bisherige Fraktionschef Matthias Miersch hat sich in der Umweltpolitik einen Namen gemacht, Umweltminister Carsten Schneider war mal Finanzpolitiker.