Was man über die Wahl im Nordosten wissen sollte
Autor: Helena Dolderer, dpa
, Samstag, 19. Sept. 2026
Mehr als 1,3 Millionen Menschen in Mecklenburg-Vorpommern dürfen mitbestimmen, wer künftig das Land regiert. Wer wählen darf, wie die Wahl abläuft und warum es diesmal besonders spannend ist.
Der Wahlkampf der vergangenen Wochen ist fast vorbei: Am Sonntag wird der Landtag in Mecklenburg-Vorpommern neu gewählt. Die Abstimmung ist in diesem Jahr in mehrfacher Hinsicht von besonderer Bedeutung. Erstmals könnte etwa eine Rechtsaußenpartei stärkste Kraft werden. Was man zur Wahl wissen sollte:
Was wird gewählt und wer darf wählen?
Rund 1,3 Millionen Menschen dürfen laut Landeswahlleitung darüber abstimmen, welche Parteien und Personen für sie im 9. Schweriner Landtag sitzen. Dieser wird alle fünf Jahre neu gewählt. Wählen dürfen alle, die einen deutschen Pass haben und seit mindestens 37 Tagen im Bundesland gemeldet sind. Neu ist in diesem Jahr, dass schon ab 16 Jahren gewählt werden darf.
Mit der Erststimme (links auf dem Stimmzettel) wählen die Menschen die Direktkandidaten, die direkt ins Parlament einziehen. Über die Zweitstimme (rechts auf dem Stimmzettel) wird eine Partei und deren Landesliste gewählt. Sie ist entscheidend dafür, mit wie vielen Sitzen die Partei im Landtag vertreten ist. Um eine Zersplitterung des Parlaments zu verhindern, werden nur Parteien berücksichtigt, die mindestens fünf Prozent der abgegebenen gültigen Stimmen erhalten.
Es geht um mindestens 71 Abgeordnetensitze, durch Überhang- oder Ausgleichsmandate können es mehr werden. Das heißt: Gewinnt eine Partei mehr Direktmandate, als ihr nach dem Zweitstimmenanteil zustehen, entstehen Überhangmandate. Diese werden mit Ausgleichsmandaten für die anderen Parteien ausgeglichen, um das Kräfteverhältnis zu wahren – was noch mehr Abgeordnete ins Parlament bringt.
Wer tritt an?
In der jetzt endenden Wahlperiode sind SPD, AfD, CDU, Linke und Grüne als Fraktionen und die FDP als Gruppe im Landtag mit insgesamt 79 Sitzen vertreten. All diese Parteien stellen sich erneut zur Wahl. Hinzu kommen 13 weitere, darunter das von Sahra Wagenknecht gegründete BSW, die Freien Wähler und Volt. Insgesamt stehen in den 36 Wahlkreisen 402 Kandidatinnen und Kandidaten zur Wahl – mehr als zwei Drittel von ihnen sind Männer. Der jüngste Kandidat ist 18, die älteste Kandidatin 89 Jahre alt.
Im Wahlkreis in der Schweriner Innenstadt tritt die amtierende Ministerpräsidentin und SPD-Spitzenkandidatin Manuela Schwesig gegen den AfD-Ministerpräsidentenkandidaten Leif-Erik Holm an. AfD-Spitzenkandidat ist hingegen Enrico Schult. Die Spitzenbewerber der anderen größeren Parteien: Bildungsministerin Simone Oldenburg (Linke), Daniel Peters (CDU), Claudia Müller (Grüne), Jessica Mendle und Jakob Schirmer (FDP) sowie Peter Schabbel und Sabine Firnhaber (BSW).
Wie ist die Ausgangslage und welche Konstellation ist zu erwarten?
Derzeit regiert eine rot-rote Koalition in MV. Das Bündnis wird Umfragen zufolge aber seine Mehrheit verlieren. Es zeichnet sich ein enges Rennen zwischen SPD und AfD ab. Eine absolute Mehrheit ist für keine Partei in Sicht, sodass die kleineren Parteien entscheidend sein könnten. Die FDP dürfte den Einzug in den Landtag verpassen, während es bei Grünen und dem BSW noch offen ist. Dass es auch bei der CDU knapp wird, ist nicht ausgeschlossen.