Was macht der Spritpreisdeckel? SPD fordert Tempo von Reiche
Autor: Andreas Hoenig, dpa
, Donnerstag, 29. Oktober 2026
Im September verständigten sich die Spitzen der Koalition auf einen erneuten Tankrabatt - und zugleich auf einen Spritpreisdeckel. Wie ist der Stand?
Spätestens in zwei Monaten soll er eigentlich kommen - der Spritpreisdeckel. So haben es die Spitzen der schwarz-roten Koalition Mitte September vereinbart. Noch bis Jahresende gilt der Tankrabatt. Zum Preisdeckel aber gibt es bisher noch keine konkreten Pläne.
Die SPD fordert Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) nun auf, Tempo zu machen. Der Ball liege bei Reiche, sagte Fraktionsvize Armand Zorn: «Ihr Haus muss ein passendes Modell für Deutschland vorlegen. Die Eckpunkte müssen nun zügig vorgelegt werden, damit der Spritpreisdeckel wie vereinbart allerspätestens zum 1.1.2027 in Kraft treten und die Betriebe sowie Autofahrer und Autofahrerinnen entlasten kann.»
«Krisenbedingter» Spritpreisdeckel
Im Koalitionsausschuss verständigten sich CDU, CSU und SPD Mitte September darauf, Gespräche mit der Mineralölwirtschaft zu führen - mit dem Ziel, spätestens zum 1. Januar 2027 einen Spritpreisdeckel nach dem Vorbild Luxemburgs oder Belgiens einzuführen. Dieser solle «nicht dauerhaft» und «krisenbedingt» sein, hieß es mit Blick auf den Iran-Konflikt, der Preissprünge auslöste. Weiter hieß es: «Die Versorgungssicherheit muss gewährleistet sein. Missbräuchliche Preisaufschläge müssen unterbunden werden.»
Wenn der Tankrabatt Ende Dezember ausläuft, könnte es zu Preissteigerungen an der Zapfsäule kommen. Zorn sagte, die Lage im Nahen Osten sei weiterhin volatil und die Energiepreise seien hoch. Er nannte es einen wichtigen Erfolg der SPD, dass die Koalition die Einführung eines Spritpreisdeckels beschlossen habe und damit das «Abkassieren der Mineralölkonzerne» begrenzt werde.
Ministerin Reiche skeptisch
Federführend für die Ausarbeitung eines Spritpreisdeckels ist Wirtschaftsministerin Reiche. Es habe ein erstes Treffen mit beteiligten Ressorts und Branchenvertretern gegeben, sagte eine Sprecherin. Auch mit Ländern, die für die Umsetzung zuständig seien, werde gesprochen. Wie der Deckel konkret ausgestaltet werde, müsse in den anstehenden Gesprächen mit der Mineralölwirtschaft geklärt werden.
«Der vereinbarte Kompromiss zum Spritpreisdeckel ist zeitlich begrenzt, auf die Krise zugeschnitten und an den Marktpreisen orientiert.» Es handle sich nicht um einen starren, vom Markt entkoppelten Preisdeckel.
Reiche machte öffentlich keinen Hehl daraus, was sie von einem Deckel hält: wenig bis gar nichts. Noch kurz vor dem Beschluss des Koalitionsausschusses sagte sie, sie halte einen Preisdeckel für den falschen Weg. Ein solcher Deckel schwäche die mittelständische Raffineriewirtschaft. «Wir brauchen unsere Raffinerien dringend, denn sie produzieren in Deutschland Diesel, Benzin, Heizöl und Kerosin.»