Kaufen alle bei Amazon ein?
Nein. Nur drei Prozent der Onlineshopper in Deutschland haben 2025 nicht bei Amazon gekauft. 18 Prozent der Amazon-Kunden geben in der Umfrage an, in den vergangenen ein bis zwei Jahren weniger dort gekauft zu haben. Von ihnen wollen 43 Prozent gezielt kleinere, lokale oder nachhaltigere Shops unterstützen. 37 Prozent sagen die Geschäftspraktiken von Amazon nicht zu. 35 Prozent nennen niedrigere Preise bei anderen Anbietern als Grund.
Hat Amazon denn keine Wettbewerber?
Doch. Otto und Temu sind laut IFH in Deutschland ebenfalls sehr bekannt und verzeichnen hohe Kaufraten. Besonders die asiatischen Shoppingportale setzen Amazon zunehmend unter Druck. 12 Prozent der Amazon-Kunden kaufen nach eigenen Angaben Produkte, die sie sonst bei Amazon gekauft haben, inzwischen bei Plattformen wie Temu, Shein oder AliExpress.
«Neue Anbieter schaffen es heute deutlich schneller, Sichtbarkeit und Reichweite aufzubauen. Das erhöht den Wettbewerbsdruck und sorgt für mehr Bewegung in einem Markt, der lange Zeit von einem dominanten Akteur geprägt war», sagt IFH-Experte Heinick.
Zahlen des Bundesverbandes E-Commerce und Versandhandel Deutschland (Bevh) zeigen: Auf asiatische Anbieter wie Temu, Shein und AliExpress entfielen im zweiten Quartal hierzulande 5,3 Prozent der Onlinehandelsumsätze. Die Portale steigerten ihre Erlöse im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als 20 Prozent auf gut 1,1 Milliarden Euro.
Was sagen andere Experten?
E-Commerce-Expertin Karolin Junker de Neui von der Digitalberatung Etribes sagt: «Amazon hat über Jahre eine Kundenerfahrung aufgebaut, bei der Kunden und Kundinnen ziemlich genau wissen, was sie bekommen: eine große Auswahl, einen einfachen Kaufprozess, schnelle Lieferung und unkomplizierte Retouren.»
Dennoch müsse das Unternehmen seine Vormachtstellung verteidigen. Anbieter wie der TikTok-Shop böten ein Einkaufserlebnis, das Amazon nicht abbilden könne. Mit der wachsenden Bedeutung von KI-Assistenten verlagere sich zudem die Produktsuche, wodurch Amazons Rolle in den Hintergrund rücken könne.
Welche Kritik gibt es?
Die Gewerkschaft Verdi kritisiert seit längerem, dass Amazon keinen Tarifvertrag mit einer Gewerkschaft abgeschlossen hat und die Entgelte selbst festlegt. Sie ruft immer wieder zu Warnstreiks bei Amazon auf, deren Wirkung sich aber in Grenzen hält.
Auch Amazons Marktmacht steht in der Kritik. Zu Beginn des Jahres verhängte das Bundeskartellamt eine Strafe in Höhe von rund 59 Millionen Euro. Amazon muss Preisvorgaben für andere Firmen einschränken, die auf der Plattform verkaufen. Drittanbieter sind dort an Vorgaben gebunden. Ist ihr Preis zu hoch, wird das Angebot vom Marktplatz entfernt oder in der Kaufbox nicht mehr optisch hervorgehoben. Das könne zu erheblichen Umsatzeinbußen führen, moniert das Kartellamt. Amazon wies die Vorwürfe zurück und legte Beschwerde beim Bundesgerichtshof ein.