Was der Kanzler jenseits des Polarkreises macht
Autor: dpa
, Freitag, 13. März 2026
Das gibt es selten: Der Kanzler reist ins Ausland und macht einen Bogen um die Hauptstadt des Ziellandes. In Norwegen hat er zwei Reiseziele gefunden, die mindestens genauso interessant sind wie Oslo.
Der bevorstehende Start einer deutschen Weltraumrakete, eine Militärübung mit deutscher Beteiligung in der Arktis sowie U-Boote, Öl und Gas: Das sind die Hauptgründe, warum Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) heute im hohen Norden Norwegens jenseits des Polarkreises unterwegs ist.
Am Donnerstagabend traf er mit einem Truppentransporter der Luftwaffe in Andenes auf der Insel Andoya ein. Die Regierungsmaschinen vom Typ A340 sind zu groß, um auf dem Flughafen des kleinen Orts mit seinen nur rund 2.500 Einwohnern zu landen. Bei einem Gespräch mit Ministerpräsident Jonas Gahr Støre gleich nach seiner Ankunft würdigte Merz die strategische Partnerschaft mit Norwegen als «äußerst gut» und betonte das «Potenzial für die Zukunft».
Deutsche Raketen sollen Satelliten ins All schießen
Andenes ist bei Touristen wegen der guten Bedingungen für Walbeobachtung beliebt. Merz ist aber wegen einer anderen Attraktion dort, die seit einiger Zeit die europäische Raumfahrtbranche elektrisiert.
2023 eröffnete der norwegische Kronprinz Haakon den neuen Andøya Space Port auf der Arktis-Insel, von der bereits seit Anfang der 1960er Jahre Forschungsraketen und -ballons starten. Er soll nun auch Deutschland als Zugang zum Weltraum dienen.
Vor rund einem Jahr schickte das deutsche Startup Isar Aerospace von dort aus die Orbitalrakete «Spectrum» in den Himmel, die für den Transport erdnaher Satelliten in die Umlaufbahn gedacht ist. Nach nur 30 Sekunden stürzte sie ab. Ein neuer Testflug soll aber nun folgen - wenn das Wetter mitspielt schon am 19. März.
Grund des großen Interesses in der europäischen Raumfahrtindustrie an dem Projekt ist die weitgehende Unfähigkeit Europas, Satelliten mit eigener Technik ins All zu schießen. Seit langem wird die große Mehrheit der europäischen Satelliten vom Raumfahrtunternehmen Space X des US-Milliardärs Elon Musk ins All befördert.
1.600 Bundeswehrsoldaten bei Übung in der Arktis
Von Andenes fliegt Merz am Nachmittag mit einem Militärtransporter vom Typ A400M zum Militärstützpunkt Bardufoss. Dort machen er und Støre sich zusammen mit dem kanadischen Premierminister Mark Carney ein Bild von der Übung Cold Response, an der nach Angaben der norwegischen Streitkräfte mehr als 32.500 Soldaten aus 14 Nato-Staaten in Norwegen und Finnland teilnehmen – darunter 1.600 Bundeswehrsoldaten.