Schmerzen, plötzliches Unwohlsein, Unfall - wohin soll man sich wenden, wenn es schnell gehen muss? Jetzt sollen die Abläufe im Notfall mit einer umfassenden Reform verbessert werden.
Bei Not- und Unfällen sollen Patientinnen und Patienten in Deutschland künftig zielgenauer und besser versorgt werden. Nach jahrelangen Vorarbeiten beschloss der Bundestag in Berlin eine Reform der Notfallversorgung - ein Überblick:
Wie kam die Reform zustande?
Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) dankt im Plenum ausdrücklich seinen Amtsvorgängern Jens Spahn (CDU) und Karl Lauterbach (SPD), die die Reform angestoßen und erarbeitet hätten. Notaufnahmen sind seit Jahren landauf, landab überfüllt. Bereits im Juli 2024 hatte Lauterbach eine Runderneuerung der Notfallversorgung in Deutschland versprochen. Jede und jeder Dritte in einer Notaufnahme wäre in einer Praxis besser aufgehoben, sagte Lauterbach damals. Gegen das lange Warten und den Stress beim Personal sollte eine bessere Steuerung helfen. Die Reform sollte Anfang 2025 in Kraft treten. Doch dann kam das vorzeitige Ende der damaligen Ampelregierung dazwischen.
Was kann man tun, wenn man schnell Hilfe braucht?
Hilfesuchende können wie bisher die einheitliche ärztliche Bereitschaftsnummer 116117 oder die Notrufnummer 112 wählen. Die Nummern und die dahinterliegenden Abläufe sollen besser verzahnt werden. «Künftig macht es bei einem gesundheitlichen Notfall keinen Unterschied mehr, welche der beiden Nummern Hilfesuchende wählen», erläutert die Chefin des Ersatzkassenverbands vdek, Ulrike Elsner, «sie durchlaufen dieselbe telefonische Ersteinschätzung und werden gezielt in die passende Versorgungsebene gesteuert.»
Unter der 116117 soll für Akutfälle flächendeckend rund um die Uhr eine telefonische oder videounterstützte Versorgung zur Verfügung stehen, bei Bedarf auch eine aufsuchende. Vor allem sollen alle Anruferinnen und Anruferinnen und die Hilfesuchenden vor Ort eine fachliche Ersteinschätzung erhalten. Festgelegt werden soll, welche Hilfe jemand braucht. Linnemann: «Je nach Dringlichkeit werden dann die Patienten in eine Arztpraxis, in eine Notdienstpraxis oder in die Notaufnahme einer Klinik vermittelt - je nach Schwere mit oder ohne Rettungsdienst.»
Was sind Integrierte Notfallzentren?
Sie sind ein weiteres Kernstück der Reform. Wohin geht es für die Hilfesuchenden als nächstes - in die Notaufnahme oder eine nahe Notdienstpraxis? In diesen an Kliniken angedockten Zentren soll Patientinnen und Patienten nach der Ersteinschätzung der weitere Weg gewiesen werden. Während der Sprechstundenzeiten sollen sie in eine Kooperationspraxis geleitet werden können, sonst auch in eine Notdienstpraxis des Zentrums. «Mit diesem Notfallwegweiser kommen die Patienten so immer an die richtige Stelle», sagt Linnemann.
«Die Notaufnahmen werden entlastet und können sich in Zukunft auf die Fälle konzentrieren, die wirklich schnelle Hilfe brauchen.» Rettungsdienste würden nicht mehr so oft unnötig gebunden, Notaufnahmen von vermeidbaren Behandlungsfällen entlastet.
Welche Rolle spielt die Digitalisierung?
Eine große, denn die Akutleitstellen der Kassenärztlichen Vereinigungen und die Rettungsleitstellen sollen sich digital zu Gesundheitsleitsystemen weiterentwickeln. Es geht um die Abläufe hinter den Telefonnummern und Tresen. Jedes Hilfeersuchen soll auf der Grundlage abgestimmter Abfragesysteme und verbindlicher Zuständigkeitsvereinbarungen mit allen schon erhobenen Daten weitergeleitet werden. Das Leitsystem soll, wenn nötig, Menschen auch zum Beispiel an palliative oder sozialpsychiatrische Dienste führen können. Hilfe und Schonung der Ressourcen der Notfallversorgung sollen Hand in Hand gehen.