Warum die Landtagswahl in Baden-Württemberg besonders ist
Autor: Nico Pointner, dpa
, Freitag, 06. März 2026
Die Landtagswahl im Südwesten ist die erste seit Jahren ohne Kretschmann, die erste mit Wahl ab 16 – und der Wahlkampf eskaliert auf den letzten Metern.
Politiker erklären ja gerne stets die nächste Wahl zur wichtigsten aller Zeiten. Aber die anstehende Landtagswahl in Baden-Württemberg ist wirklich etwas anders. Wenn die Menschen am 8. März ihre Stimme abgeben, endet eine politische Ära – und es beginnt etwas Ungewisses im Südwesten. Was die Abstimmung im Südwesten so speziell macht:
Kampf um Kretschmanns Erbe
Winfried Kretschmann tritt nicht mehr an. Das allein macht die Wahl historisch.
Nach 15 Jahren als Ministerpräsident steht sein Name nicht mehr auf dem Stimmzettel. Kretschmann verabschiedet sich mit 77 Jahren in den Ruhestand. Seit 2016 regiert der grüne Oberrealo bereits relativ geräuschlos mit der CDU. Cem Özdemir (Grüne) und Manuel Hagel (CDU) kämpfen um seine Nachfolge.
Özdemir oder Hagel wollen den Landesvater beerben. Die Fußstapfen sind groß. Kretschmanns Erbe werde bei der CDU in guten Händen sein, hatte Hagel schon vor langer Zeit gesagt. Özdemir wirbt auf Wahlplakaten mit dem Regierungschef und dem Slogan: «Sie kennen ihn». Es gehe nicht darum, Kretschmann zu kopieren - sondern zu kapieren, so der grüne Spitzenkandidat.
Ein Wahlkampf, der eskaliert
Grüne und CDU hatten sich im Wahlkampf mit gegenseitigen Angriffen über viele Monate weitgehend zurückgehalten, nicht nur, weil sie Regierungspartner sind - sondern auch, weil sie es vermutlich bleiben werden. Umfragen sagen ein schwarz-grünes Bündnis voraus. Doch nun, auf den letzten Metern, ist der Wahlkampf eskaliert. Videos über Schulbesuche bringen Hagel in die Bredouille, die CDU wirft den Grünen einen «Schmutzwahlkampf» vor. Und in den Umfragen sind Grüne und CDU plötzlich gleichauf.
Ausgangspunkt war ein etwa acht Jahre altes Interview des CDU-Spitzenkandidaten Manuel Hagel, das eine grüne Bundestagsabgeordnete in sozialen Medien gepostet hatte. Hagel, damals 29 Jahre alt und Landtagsabgeordneter, berichtete darin von einem Schulbesuch und einer Schülerin. «Ich werd’s nie vergessen, die erste Frage, sie hieß Eva, braune Haare, rehbraune Augen.» Der Clip sorgte für heftige Kritik am CDU-Mann.
Neues Wahlrecht
Erstmals dürfen in Baden-Württemberg 16- und 17-Jährige bei der Wahl mitstimmen. Zigtausende neue Wählerinnen und Wähler betreten damit die Bühne. Insgesamt gut 7,7 Millionen Wahlberechtigte dürfen im März ihre Stimme abgeben - so viele wie nie zuvor, so das Statistische Landesamt. Das Amt rechnet mit rund 650.000 Erstwahlberechtigten zwischen 16 und 22 Jahren - das entspricht 8,4 Prozent aller Wahlberechtigten. Wie sich der Zuwachs an jungen Wahlberechtigten auf das Ergebnis auswirkt, ist unklar.
Hinzu kommt ein reformiertes Wahlrecht, mit neuen Spielregeln für die Mandatsverteilung. Die Wählerinnen und Wähler haben nun zwei Stimmen, ähnlich wie bei der Bundestagswahl. Mit der Erststimme wird ein Wahlkreiskandidat oder eine Wahlkreiskandidatin direkt gewählt. Mit der Zweitstimme wird eine Partei gewählt. Diese stellt dafür eine Landesliste auf, über die Kandidatinnen und Kandidaten in den Landtag einziehen können.