Warum das Abi-Zeugnis des Kanzlers unter Verschluss ist
Autor: Michael Fischer, dpa
, Montag, 05. Oktober 2026
Der Kanzler kehrt heute an das Gymnasium zurück, an dem er vor 51 Jahren Abitur gemacht hat. Wird er den Schülern seine Note verraten? Bisher gibt es dazu nur Andeutungen von ihm. Aus gutem Grund.
Es ist eines der bestgehüteten Geheimnisse des Bundeskanzlers. «Mein Abiturzeugnis liegt bei mir zu Hause im Tresor und kommt auch nicht raus», antwortet der Sauerländer Anfang vergangenen Jahres im «Zeit»-Podcast «Alles gesagt?» scherzhaft auf die Frage nach seiner Abiturnote. Er liefert dafür auch eine Begründung: «Ich habe mittlerweile Enkelkinder, die auf die Schule gehen, und ich möchte, dass denen die Motivation erhalten bleibt.»
3,8? Wirklich?
Auf Nachhaken verrät der 70-jährige Großvater von sieben Enkeln dann aber doch noch, wo ungefähr sein Abi-Schnitt liegt - nämlich ganz unten. Als die Zahl 3,8 fällt, sagt er: «Gehen Sie mal davon aus, dass es in dieser Bandbreite war.» Auf die ungläubige Nachfrage «3,8?», antwortet er dann nur noch: «So, lassen wir es dabei.»
3,8 ist so ziemlich die schlechteste Note, die man beim Abitur erreichen kann, ohne durchzufallen. Und Merz' Heimatland Nordrhein-Westfalen war schon damals dafür bekannt, nicht gerade die härtesten Abi-Standards zu haben.
Merz hatte einfach «keinen Bock» auf Schule
Heute kehrt der Kanzler an die Schule zurück, an der er nach einmal Sitzenbleiben und einem Schulwechsel wegen Disziplinlosigkeit mit 19 dann doch noch die allgemeine Hochschulreife erreicht hat: an das Friedrich-Spee-Gymnasium in Rüthen im Sauerland.
Die Schule wird 100 Jahre alt, und der Kanzler tritt aus diesem Anlass in der Reihe «Ehemalige erzählen» auf. Das Gespräch mit Schülern findet hinter verschlossenen Türen statt, es kann also offen geredet werden. Und es ist gut möglich, dass er dann noch einmal gefragt wird, warum er eigentlich so ein schlechter Schüler war.
In dem Podcast spricht er darüber, dass er damals keine Disziplin und «echte Motivationsprobleme» gehabt habe - und einen Freundeskreis, «der mich da eher zusätzlich demotiviert hat». Er habe ganz einfach «keinen Bock» auf Schule gehabt.
Mit dem «Stöckchen» vom Lehrer verprügelt
Auch die Lehrer hätten nicht gerade zur Motivation beigetragen - im Gegenteil. «Wir hatten noch Lehrer, die Weltkriegsteilnehmer waren. Einer der Lehrer warf beständig mit seinem schweren Schlüsselbund durch die Klasse», erzählt Merz über seine Grundschulzeit in den 1960er Jahren.