Wahl-Fiasko der CDU: Alt-Kanzlerin Merkel gibt Denkanstoß
Autor: Alexander Milesevic, Agentur dpa
Berlin, Dienstag, 22. Sept. 2026
Was folgt für die CDU aus den demütigenden Wahlschlappen der vergangenen Wochen? Der Kanzler und Parteichef will weitermachen und die geplanten Reformen durchziehen. Es gibt auch andere Stimmen.
Die Bundestagsfraktion der Union berät nach der schmerzhaften Serie von Niederlagen der CDU bei den drei Landtagswahlen im September heute mit Kanzler Friedrich Merz über die Konsequenzen. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer forderte von seiner Partei eine schonungslose Analyse und einen Neubeginn. "Das hat auch etwas mit Personen zu tun", sagte er im MDR.
Thüringens Ministerpräsident und CDU-Landeschef Mario Voigt bezeichnete das Wahl-Fiasko als einen historischen Wendepunkt. Ein Weiter-so könne es nicht geben, notwendig sei eine "Generalinventur der Berliner Regierungspolitik", sagte er am Rande einer Klausur der CSU-Landtagsfraktion im Kloster Banz. Dass die CDU, wie jetzt in Mecklenburg-Vorpommern, aus einem Landtag fliege, "das ist eigentlich unvorstellbar". "Normale Menschen" müssten sich das alltägliche Leben wieder leisten können. Tanken, Heizen, Miete, Wohnen und Einkaufen seien zu teuer.
CDU sucht Kurs nach Wahlfiasko - Merz will um Ämter kämpfen
Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst, der als ein potenzieller Nachfolger von Merz im Kanzleramt gehandelt wird, betonte auch nach den neuen Wahlniederlagen, dass er Personaldebatten nicht für zielführend hält. "Wir brauchen eine stabile Bundesregierung", sagte er beim "Ständehaus-Treff" der Rheinischen Post. "Wir halten einfach Personaldebatten jetzt nicht für zielführend, nicht für richtig", sagte er und verwies auf die Erklärung der acht CDU-Ministerpräsidenten vom Mittwoch (16. September 2026). Darin hatten die Regierungschefs auf Spekulationen über Merz' Zukunft reagiert und ihm Rückendeckung gegeben. Der Hintergrund: Merz war schon nach dem Wahldebakel in Sachsen-Anhalt vor zwei Wochen in der eigenen Partei massiv unter Druck geraten.
Auch Merz selbst hatte am Tag nach den krachenden Niederlagen bei den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und in Berlin bereits deutlich gemacht, dass er seine beiden Ämter – Kanzler und CDU-Chef – behalten und seinen Reformkurs fortsetzen will.
Darin bestärkten ihn auch die Präsidenten der Arbeitgeberverbände (BDA) und des Industrieverbands BDI, Rainer Dulger und Peter Leibinger. Sie schrieben im Handelsblatt, gefragt seien nun Mut, Konsequenz, Handlungswille und auch Führung. Konkret forderten sie, die abschlagsfreie Rente für besonders langjährig Versicherte, die sogenannte Rente ab 63, müsse jetzt wie geplant abgeschafft werden.
Merkel erinnert in der Krise an Adenauer
Auch die frühere CDU-Chefin und Kanzlerin Angela Merkel äußerte sich zu dem Debakel bei den Wahlen. "An einem Tag wie heute und nach einem Abend wie gestern lohnt es sich vielleicht, auch noch mal nachzudenken: Was können wir von Konrad Adenauer übernehmen?", sagte sie bei der Eröffnung einer Kunstausstellung im Bundestag. Der erste Kanzler der Bundesrepublik habe aus den Fehlern der Geschichte gelernt, dass es wichtig sei, "Menschen einzuladen, alle Menschen anzusprechen, dass es wichtig ist, sich der eigenen Werte bewusst zu sein". Er habe Brücken für nötig befunden zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, Männern und Frauen, Umwelt und Wirtschaft, Stadt und Land, zwischen den Konfessionen und den Generationen. "Ich würde heute hinzufügen: zwischen Menschen mit und ohne Migrationsgeschichte."
Nur noch jeder Dritte hierzulande sieht die CDU noch als Volkspartei, wie eine YouGov-Umfrage nach den Landtagswahlen belegt. Dagegen sagen 46 Prozent, die Christdemokraten seien dies nicht mehr. Rund 21 Prozent der 1341 Befragten antworteten mit "weiß nicht" oder machten keine Angabe. Am Wahlsonntag, bei dem die CDU teils historische Verluste einfuhr, hatte AfD-Chefin Alice Weidel festgestellt, dass ihre Partei immer breiter in der Gesellschaft verankert sei und die CDU als Volkspartei verdrängt habe.