Wahl-Drama in vier Akten
Autor: Michael Fischer, dpa
, Montag, 02. März 2026
Fünf Landtagswahlen und zwei große Fragen: Wie stark wird die AfD? Und was machen die Ergebnisse mit der schwarz-roten Koalition in Berlin? Am Sonntag geht's los.
Es ist ein Superwahljahr mit dem Potenzial, die Regierung in Berlin zu erschüttern und die Republik zu verändern. Insgesamt fünf Landtags- und drei Kommunalwahlen stehen im März und September an, die ersten in Baden-Württemberg und Bayern am kommenden Sonntag. Es wird ein Wahl-Drama in vier Akten.
Erster Akt: Wie stark wird die Koalition durchgerüttelt?
Der erste Akt spielt vor allem in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, wo am Sonntag und am 22. März neue Landtage gewählt werden. In der schwarz-roten Koalition in Berlin hat man bei CDU und SPD lange Zeit insgeheim auf eine Punkteteilung gehofft: Die CDU gewinnt in Baden-Württemberg und stellt nach 15 Jahren wieder den Ministerpräsidenten. Und in Rheinland-Pfalz bleibt die SPD mit Ministerpräsident Alexander Schweitzer an der Macht.
Mit einem solchen Ergebnis könnten beide Bundesparteien leben, unmittelbare Folgen für die Koalitionsarbeit wären eher nicht zu erwarten. Lange Zeit gaben sich die Koalitionäre ziemlich sicher, dass das so kommen würde. Spätestens seit den Umfragen für Baden-Württemberg Ende vergangener Woche ist es mit dieser Zuversicht vorbei.
Die CDU, die seit Herbst 2023 in Umfragen einen stabilen Vorsprung hatte, der zwischenzeitlich bis auf 16 Prozentpunkte wuchs, liegt nun nur noch ein bis zwei Prozent vor den regierenden Grünen. Und die SPD ist unter zehn Prozent gerutscht. Sie droht ihr bisher schlechtestes Ergebnis von 11 Prozent von 2021 nochmals zu unterbieten.
Sollte CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel die Wahl gegen den ehemaligen Bundesagrarminister und Ex-Grünen-Bundesvorsitzenden Cem Özdemir verlieren, wäre das für die Union eine mittlere Katastrophe. Sie müsste dann die Wahl in Rheinland-Pfalz gewinnen, um die Niederlage auszugleichen. Die letzten zwei Wahlkampfwochen dort dürften dann ziemlich konfrontativ zwischen den beiden Berliner Koalitionspartnern verlaufen.
Zweiter Akt: Reformdebatte zwischen den Wahlen
Der Ausgang der beiden Landtagswahlen wird sich darauf auswirken, wie Union und SPD in die großen Sozialreformen starten. Je schlechter die Ergebnisse der einen oder anderen Seite werden, desto größer dürfte das Bedürfnis der Profilierung in der Koalition sein.
Zwischen den beiden Wahlmonaten März und September will die Koalition ihre großen Reformprojekte auf den Weg bringen. Ende März sollen die Vorschläge zur Reform der Pflege und der Krakenversicherung vorliegen. Bis Mitte des Jahres soll die Rentenkommission ihre Arbeit abschließen.