Wagenknecht-Partei als Königsmacherin?
Autor: Verena Schmitt-Roschmann, dpa
, Montag, 07. Sept. 2026
Vor ein paar Tagen steckte das Bündnis Sahra Wagenknecht im Abwärtsstrudel. Nach dem Sprung in den Magdeburger Landtag hat die Partei nun plötzlich Macht. Was fängt sie damit an?
Kurz vor dem Wahltag in Sachsen-Anhalt wirkte das Bündnis Sahra Wagenknecht politisch schon fast tot nach wochenlangem Streit und Chaos in der Partei. Doch plötzlich scheint alles anders. Das BSW schaffte nach einer Zitterpartie am Wahlabend unerwartet noch den Sprung in den Magdeburger Landtag. Mit etwas mehr als fünf Prozent der Stimmen könnte die kleine Partei nun eine Schlüsselrolle spielen. «Das Comeback des BSW hat begonnen», frohlockt Parteigründerin Sahra Wagenknecht.
Der Einzug ihrer Partei ins Landesparlament heißt auch: Die strahlende Wahlsiegerin AfD hat keine eigene absolute Mehrheit. Andererseits ist auch kein Bündnis aller anderen Parteien gegen die AfD mehr möglich, denn da macht Wagenknecht nicht mit. «Allein der Versuch, noch einmal eine Brandmauer-Koalition zu schmieden, wäre ein Affront gegenüber den Wählerinnen und Wählern», sagt die 57-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. Wagenknechts Partei hat plötzlich Macht. Aber was fängt sie damit an?
Option eins: AfD regiert mit Hilfe des BSW
Das BSW habe vor der Wahl genau damit kokettiert: mit der Rolle als entscheidender Faktor, sagt der Potsdamer Politikwissenschaftler Jan Philipp Thomeczek, der sich intensiv mit der Partei beschäftigt. Im politischen Spektrum liege das BSW ja tatsächlich zwischen den Lagern. Aber: «Was das dann in der Praxis heißt, da wäre ich, ehrlich gesagt, skeptisch», sagt Thomeczek.
Eine Koalition des BSW mit der AfD hat Wagenknecht vor der Wahl ausgeschlossen, aber eine Zusammenarbeit ist für sie kein Tabu. Die Mehrheit der Menschen in Sachsen-Anhalt wolle kein Weiter-So, sagt sie. «Jetzt gibt es hoffentlich Mehrheiten im Magdeburger Landtag für einen Kurswechsel in der Energiepolitik, ein Ende der Russland-Sanktionen, bessere Bildung und eine grundlegende Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Diese Mehrheiten will das BSW nutzen, um das Leben der Menschen zu verbessern.»
«Einige Schnittmengen»
BSW-Spitzenkandidat Thomas Schulze zeigt sich ebenfalls offen für Gespräche mit der AfD und meint: «Wir haben schon einige Schnittmengen, vor allen Dingen auch in der Russlandfrage.» Wie die AfD wolle das BSW auch «preiswerte Energie». Er nennt aber auch Vorbehalte: «Gerade die Bildungspolitik der AfD, die geht mit uns gar nicht. Da liegen wir sehr, sehr weit auseinander.» Auch bei der Wirtschafts- und Sozialpolitik sieht er Differenzen.
Dies sieht auch BSW-Experte Thomeczek so: «Da sehe ich schon größere ideologische Diskrepanzen zwischen AfD und BSW und weiß jetzt nicht so richtig, auf welche substanziellen Sachen man sich einigen könnte.» Zudem gibt es von Co-Parteichefin Amira Mohamed Ali eine klare Ansage: Das BSW werde einen AfD-Ministerpräsidenten Ulrich Siegmund nicht mitwählen.
Option zwei: Das BSW-Wunschmodell
Die Wagenknecht-Partei vertritt offiziell ein anderes Modell: Ein «überparteilicher Ministerpräsident» soll mit wechselnden Mehrheiten regieren, unter Einbeziehung der AfD. Nur: Keine andere Partei hat Zustimmung für eine solche Lösung erkennen lassen. Und Wagenknecht hat auch nie gesagt, wer diese «überparteiliche» Persönlichkeit sein könnte. Man wolle vorab keine Namen verbrennen, hieß das Argument.