Wackeln Bärbel Bas und Lars Klingbeil?
Autor: Basil Wegener, dpa
, Sonntag, 02. August 2026
Sommerruhe sieht anders aus. Die SPD ist vor den Landtagswahlen und den nächsten schwarz-roten Reformen in einer brisanten Phase. Nicht nur hinter vorgehaltener Hand wird über die Spitze diskutiert.
Fünf Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt wächst die Sorge in der SPD. Den Ärger in der Union wegen der Personalrochade von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat der Koalitionspartner ohne viele Kommentare von der Seite aus verfolgt. Doch aus dem Inneren der SPD dringt in diesem Sommer Rumoren hervor. Viele sehen die krisengewohnte Partei und ihre beiden Vorsitzenden vor entscheidenden Wahlen - neben Sachsen-Anhalt auch in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern - so unter Druck wie lange nicht.
Routinemäßig beantwortet SPD-Fraktionschef Matthias Miersch die Frage, ob es auch in der SPD Wechsel geben sollte, mit einem Lob für die aktuelle personelle Aufstellung. «Deshalb halte ich gegenwärtig von Personaldebatten nichts», sagte er der Funke Mediengruppe. Doch meist hinter vorgehaltener Hand gibt es sie längst, die bangen Beratungen für den Fall eines schwarzen Tags in Magdeburg - für den Fall, dass die SPD in Sachsen-Anhalt aus dem Landesparlament fliegt. Es ist eine brisante Phase, in der Parteichefin Bärbel Bas am Sonntag ein Fernseh-Sommerinterview gibt.
Bielefelder Brandbrief
Einige in der Partei finden es schon heute überfällig, dass die Vorsitzenden Bas und Lars Klingbeil eine ihrer Doppelrollen aufgeben. An der Seite von CDU-Kanzler Friedrich Merz im Kabinett stehen sie aus dieser Sicht zu wenig für eine SPD mit eigenem Kurs. So findet der Vorstand des SPD-Unterbezirks Bielefeld, die hohen Partei- und Regierungsämter seien nicht miteinander vereinbar. Das schrieb der örtliche SPD-Chef Markus Kollmeier in einem Brandbrief an die «liebe Bärbel» und den «lieben Lars».
Die kritische Bielefelder Parteizelle brachte auf den Punkt, was nach Medienberichten viele an der Basis umtreibt. Dort seien viele «zu Recht enttäuscht». Sie hätten über Jahre Hoffnungen in die SPD «als soziales Gewissen» gesetzt. Doch jetzt trage sie im Bündnis mit CDU/CSU «falsche» Entscheidungen mit. Für NRW-Generalsekretär Frederick Cordes zeigt der Brief, «dass sich viele an der Basis aktuell nicht genug von der Bundesregierung abgeholt fühlen».
Frust an der Basis
«Der Frust an der Parteibasis ist riesengroß», sagt auch Jan Bühlbecker. Im Alter von 15 Jahren trat er der Partei bei, mit 31 ist er heute Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Wattenscheid-Mitte und Westenfeld, wie die «Stuttgarter Zeitung» notiert. Er zeigt sich verärgert über den Reformkurs der SPD-Spitze an der Seite der Union. Beispiel: die geplante Pflicht zur Krankschreibung vom ersten Tag an. «Die SPD lässt den Angriff auf Arbeitnehmerrechte zu», sagt er dem Blatt.
Auch in der Union stellt man sich inzwischen mit wachsender Spannung die Frage, wie die im Herbst anstehenden schwarz-roten Großreformen bei Rente und Steuer bei der SPD-Basis ankommen werden, wie aus Gesprächen hervorgeht.
Der SPD-Spitzenkandidat für die NRW-Landtagswahl im April 2027, Jochen Ott, meint, selbstverständlich werde überall im Land über die Performance der Bundesregierung und auch des SPD-Teils diskutiert. Personaldebatten würden in der jetzigen Situation aber nicht wirklich weiterhelfen.