Wirtschaft wächst überraschend - Inflation sinkt deutlich
Autor: Jörn Bender und Alexander Sturm, dpa
, Freitag, 30. Oktober 2026
Niedrigwasser am Rhein und der Iran-Krieg haben die Konjunktur im Sommer belastet. Ein Rückschlag im dritten Quartal blieb trotzdem aus. Auch bei der Inflation gibt es gute Nachrichten.
Die deutsche Wirtschaft ist trotz hoher Belastungen durch den Iran-Krieg und das Niedrigwasser im Sommer überraschend gewachsen. Positive Nachrichten gibt es auch bei der Inflation: Die Teuerungsrate sank nach vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes im Oktober mit dem neuen Tankrabatt deutlich auf 2,8 Prozent - nach 3,3 Prozent im September. Für Entwarnung bei den Verbraucherpreisen ist es nach Einschätzung von Volkswirten allerdings noch zu früh - und auch beim Wirtschaftsaufschwung muss sich noch erweisen, wie nachhaltig dieser ist.
Im dritten Quartal legte das Bruttoinlandsprodukt zum Vorquartal um 0,2 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt auf Basis erster Daten errechnete. Nach vier Wachstumsquartalen in Folge zeichnet sich damit immer deutlicher ab, dass Europas größte Volkswirtschaft nach drei mageren Jahren 2026 wieder ein robustes Wachstum verzeichnen kann.
Konsum überrascht positiv
Ökonomen hatten nicht zuletzt wegen des Niedrigwassers mit einer Stagnation im dritten Quartal gerechnet. «Die Daten zeigen, dass die Konjunktur weiterhin besser läuft als gedacht», bilanziert Jens-Oliver Niklasch, Ökonom bei der Landesbank LBBW.
Im Zeitraum Juli bis September legten die Konsumausgaben laut Bundesamt leicht zu. «Der private Konsum war im Sommerquartal der Wachstumstreiber. Die höheren Energiepreise haben den privaten Haushalten die Kauflaune nicht verdorben», analysiert KfW-Chefvolkswirt Dirk Schumacher.
Allerdings machen deutlich gestiegene Preise fürs Tanken und Heizen Verbrauchern zu schaffen - trotz Tankrabatt. Für Sprit und Haushaltsenergie mussten die Menschen in Deutschland im Oktober 12,2 Prozent mehr zahlen als ein Jahr zuvor. Lebensmittel verteuerten sich kaum, bei Dienstleistungen ließ der Preisdruck weiter nach.
Für Entwarnung bei der Inflation sei es dennoch zu früh, sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Wie andere Ökonomen erwartet er, dass die massiv gestiegenen Energiepreise schrittweise auf die Preise anderer Güter und Dienstleistungen durchschlagen. «Um die Jahreswende wird die Inflation wohl wieder über 3 Prozent liegen», prognostiziert Krämer.
Exporte schwächeln
Die Investitionen gingen im dritten Quartal zurück. Auch die Exporte entwickelten sich schwächer. «Die in der ersten Jahreshälfte noch sehr dynamische Entwicklung der Exporte schwächte sich im dritten Quartal 2026 merklich ab», schrieben die Statistiker.