VW-Dieselskandal - Neuer Anlauf für Betrugsprozess
Autor: Christian Brahmann, dpa
, Donnerstag, 05. November 2026
Die Strafprozesse zur VW-Dieselaffäre wecken die Erinnerung an den Skandal, der von Wolfsburg aus die Autowelt erschüttert hat. Und sie zeigen auch, dass die Verantwortung nicht geklärt ist.
Der VW-Dieselskandal war nach der Enthüllung 2015 lange das dominierende Thema - nicht nur in der Wirtschaft. Die Abgasmanipulationen kosteten den damaligen Vorstandschef Martin Winterkorn das Amt und den Wolfsburger Autobauer neben Reputation und Vertrauen mehrere Milliarden Euro. Mehr als zehn Jahre später ist das Interesse längst abgeebbt, die juristische Aufarbeitung aber nicht beendet. Im Gegenteil: Neue Prozesse fangen gerade erst an.
«VW-Dieselgate» - Was war das genau?
Der VW-Skandal kam im September 2015 ans Licht, als US-Behörden nachwiesen, dass Dieselfahrzeuge mit einer Software manipuliert waren. Diese erkannte Testsituationen und reduzierte die Stickoxid-Emissionen, im Alltagsbetrieb blieben sie aber deutlich höher. Betroffen waren weltweit mehrere Millionen Fahrzeuge.
In den USA zahlte Volkswagen mehr als 20 Milliarden Dollar an Strafen und Entschädigungen. Auch in Deutschland wurden Bußgelder in Milliardenhöhe verhängt. Mittlerweile gibt es unzählige Urteile und sowohl in den USA als auch in Deutschland wurden Gefängnisstrafen gegen frühere VW-Mitarbeiter verhängt.
Worum geht es in den Braunschweiger Prozessen?
Die Braunschweiger Justiz ist wegen der VW-Zentrale im benachbarten Wolfsburg zuständig für Verfehlungen im Konzern und versucht weiter, die strafrechtliche Verantwortung einzelner VW-Manager zu klären.
Im September 2021 begann - nach mehreren coronabedingten Verzögerungen - der erste größere Betrugsprozess. Damals zog der Auftakt in der Braunschweiger Stadthalle noch die Weltpresse an. Allerdings fehlte Winterkorn auf der Anklagebank, weil das Verfahren gegen ihn aus gesundheitlichen Gründen abgetrennt worden war.
Nach fast vier Jahren Verhandlung sprach das Landgericht vier frühere VW-Führungskräfte wegen Betrugs schuldig. Zwei Angeklagte sollen mehrjährige Haftstrafen antreten, zwei Ex-Mitarbeiter erhalten Bewährung. Gegen das Urteil ist Revision eingelegt, es ist nicht rechtskräftig.
Das Verfahren gegen Winterkorn begann im September 2024, wurde aber nach einem Unfall Winterkorns nach nur wenigen Verhandlungstagen unterbrochen und ist inzwischen wegen Verhandlungsunfähigkeit vorläufig eingestellt. Vor Gericht hatte «Mr. Volkswagen» jegliche strafrechtliche Verantwortung zurückgewiesen. Ob und wann der Prozess fortgesetzt werden kann, ist offen.