VW-Abgasaffäre ohne Ende - Worum geht es noch vor Gericht?
Autor: Christian Brahmann, dpa
, Dienstag, 14. April 2026
Der VW-Dieselskandal zieht vor allem juristisch weiter Kreise und bleibt damit ein Reputationsproblem. Einige Verfahren haben noch gar nicht begonnen und betreffen auch andere Unternehmen.
Mehr als zehn Jahre nach dem Auffliegen des Dieselskandals bei Volkswagen ist die juristische Aufarbeitung längst nicht beendet. Am Landgericht Braunschweig beginnt heute (10.00 Uhr) der dritte große Betrugsprozess gegen fünf Angeklagte im Zusammenhang mit Manipulationen an Autos von VW. Was wird dabei genau verhandelt? Wird es wieder lange dauern? Und welche Bedeutung hat das alles überhaupt noch?
Dritter Prozess mit fünf Angeklagten
Zum dritten Mal kommt ein Prozess zum VW-Dieselskandal mit mehreren Angeklagten vor eine Braunschweiger Strafkammer. Betroffen sind fünf zum Teil ehemalige Mitarbeiter von Volkswagen und einem Zulieferer, wie das Gericht vorab mitteilte. Ihnen wird unter anderem Beihilfe zum gewerbsmäßigen Betrug vorgeworfen, und es drohen mehrjährige Haftstrafen.
Wie in den beiden vorherigen Prozessen geht es um die sogenannte Abschaltsoftware, mit der Millionen Fahrzeuge von Volkswagen-Marken auf Prüfständen bessere Abgaswerte anzeigten als im realen Betrieb. Für die Käufer soll ein Milliardenschaden entstanden sein. (Az.: 14 KLs 411 Js 13746/21 (33/21))
Die Angeklagten sollen zwischen November 2006 und September 2015 in teils unterschiedlichen Zeiträumen die Software mitentwickelt oder ihre Entwicklung anderweitig unterstützt haben. Ihnen wird vorgeworfen, dass sie dem Unternehmen möglichst hohe Gewinne verschaffen wollten, um davon über Gehalts- und Bonuszahlungen zu profitieren. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Verurteilte sehen sich als Bauernopfer - Winterkorn-Verfahren offen
Im Mai 2025 war nach mehreren Jahren Verhandlung der erste Betrugsprozess in Braunschweig mit einem Urteil zu Ende gegangen. Zwei der vier Angeklagten erhielten Haft-, die anderen beiden Bewährungsstrafen. Die Verurteilten sehen sich aber als Bauernopfer und gingen in Revision. Eine Entscheidung dazu ist nicht absehbar, bis zum möglichen Haftantritt dürfte es daher auch noch lange dauern.
In diesem ersten Prozess war ursprünglich auch Ex-VW-Boss Martin Winterkorn angeklagt. Sein Verfahren wurde aber aus gesundheitlichen Gründen abgetrennt und ist inzwischen wegen Verhandlungsunfähigkeit vorläufig eingestellt. Vor Gericht hatte Winterkorn jegliche strafrechtliche Verantwortung zurückgewiesen.
Seit November 2025 läuft in Braunschweig ein zweiter Betrugprozess gegen ebenfalls fünf Angeklagte, dabei handelt es sich zum Teil um ehemalige Führungskräfte des Autobauers. Den vier Männern und einer Frau wird unter anderem Betrug, Steuerhinterziehung und strafbare Werbung vorgeworfen. Auch für dieses Verfahren sind noch unzählige Termine bis mindestens Ende 2026 geplant.