Vorgaben bei Gasspeichern verfehlt - was bedeutet das?
Autor: Andreas Hoenig, dpa
, Sonntag, 01. November 2026
Der Winter steht bevor - und die Gasspeicher in Deutschland sind vergleichsweise gering befüllt. Vorgaben werden nicht eingehalten. Was nun?
Es wird kälter in Deutschland, die Heizsaison hat begonnen. Die Blicke richten sich erneut auf die Füllstände der Gasspeicher: Gesetzliche Vorgaben dürften deutlich verfehlt worden sein. Zum 1. November soll faktisch ein durchschnittlicher Füllstand von 70 Prozent erreicht werden. Die Speicher sind aber nur zu rund 61,4 Prozent gefüllt, wie aus den aktuellsten Daten der europäischen Plattform AGSI von Freitag hervorgeht.
Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums sagte, die Gasversorgung sei auch bei den derzeitigen Speicherfüllständen für den Winter gesichert. Der Grünen-Energiepolitiker Michael Kellner warf Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) dagegen mangelnde Vorsorge vor. Es gebe keinen Sicherheitspuffer.
Was passiert nun?
Erst einmal nichts. Das Wirtschaftsministerium und die Bundesnetzagentur könnten theoretisch Maßnahmen einleiten. Falls gebuchte Kapazitäten nicht genutzt werden, könnte diese Speichernutzern entzogen werden - um die Speicher dann zu befüllen. Timm Kehler, Vorstand des Verbandes Gas- und Wasserwirtschaft, sagte, dass die Vorgaben verfehlt werden, habe erst einmal keine direkten Folgen. Das Gesetz sehe dafür keine Sanktionen vor. Die Vorgaben seien ein Sicherheitsnetz.
«Gasversorgung gesichert»
«Die Gasversorgung in Deutschland ist stabil», sagte eine Sprecherin der Bundesnetzagentur. «Die Versorgungssicherheit ist gewährleistet.» Die Bundesnetzagentur schätze die Gefahr einer angespannten Gasversorgung nach aktuellem Erkenntnisstand weiterhin als gering ein.
Eine Sprecherin von Ministerin Reiche (CDU) sagte: «Nach aktueller Einschätzung ist davon auszugehen, dass Deutschland gut durch den Winter kommt.» Entscheidend für die Versorgungssicherheit seien nicht allein die Speicherfüllstände, sondern auch die tatsächliche Ausspeicherung, laufende Gasimporte und weitere Vorsorgemaßnahmen.
Kehler sagte: «Für die Versorgung entscheidend ist: Die Händler haben für ihre Kunden das für den Winter bestellte Gas eingespeichert und tun das weiterhin.» Aktuell sei eine Kapazität von rund 150 Terawattstunden in den Speichern. «Das ist spürbar mehr, als im letzten Winter aus den Speichern entnommen wurde.»
Nicht nur Füllstände wichtig
Gase komme insbesondere über Pipelines aus Norwegen, über Flüssigerdgas (LNG)-Terminals sowie über europäischen Nachbarn, sagte die Sprecherin des Wirtschaftsministeriums. Mit den LNG-Importkapazitäten könne Deutschland auch während der Heizperiode jederzeit zusätzliche Gasmengen aus dem Weltmarkt beziehen. «Die Speicherfüllstände haben deshalb heute eine andere Bedeutung für die Versorgungssicherheit als noch vor dem Aufbau der LNG-Infrastruktur.» Eine bestimmte erreichte Füllstandsquote der Speicher gebe nicht an, ob die Versorgung gesichert sei.