Die Verbraucherzentralen fordern ein einfacheres Tarifsystem für Bus und Bahn im Nahverkehr. Ein neues Preismodell nach Fahrtzeit soll Orientierung im Tarifdschungel schaffen und günstige Alternativen zum Auto bieten.
Nimmt man eine Einzelfahrt von Zone M bis Zone 4 oder für die Ringe 1 und 2? Ist das Ticket AB ausreichend für den Flughafen, oder benötigt man zusätzlich eines für C? Und wie viele Haltestellen zählen eigentlich noch als preiswerte Kurzstrecke? Wenn es um das Bus- und Bahnfahren im Nahverkehr geht, rätseln oft nicht nur Touristen, welcher Tarif wohl der richtige und günstigste ist – und steigen dann vielleicht nicht ein. Für Vielfahrer gibt es bereits das Deutschlandticket, mit dem man sich darüber keine Gedanken machen muss. Die Verbraucherzentralen fordern nun auch ein einfaches Preismodell für Gelegenheitsfahrer.
Die Vorsitzende des Bundesverbands, Ramona Pop, äußerte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: "Wer in Deutschland Bus und Bahn nutzt, braucht ein Tarifsystem, das überall gleich funktioniert." Das Deutschlandticket sei ein erfolgreicher Anfang, um den Tarifdschungel zu beseitigen. Dies sei auch für gelegentliche Nutzer notwendig, die weiterhin vor einem unübersichtlichen Flickenteppich aus Verbundgrenzen, Tarifzonen und Ticketangeboten stünden.
Preismodell als "attraktive Alternative zum Auto"
Die Verbraucherschützer schlagen daher ein Preismodell vor, das sich allein an der "genutzten Zeit" auf Basis des Fahrplans orientiert. Konkret sollte es nur noch fünf Ticketarten geben – für 15 Minuten, 30 Minuten, 60 Minuten, 120 Minuten und für 24 Stunden. Dieser Tarifansatz sei einheitlich nutzbar, intuitiv und leicht verständlich, heißt es in einem Positionspapier. Das Prinzip müsse von Fahrgästen einmal verstanden werden und könnte dann überall gelten.
"Gerade in Zeiten steigender Spritpreise brauchen Verbraucher attraktive Alternativen zum Auto", sagte Pop. Das System sollte digital, aber auch analog etwa mit Fahrscheinautomaten nutzbar sein. Somit würde der öffentliche Nahverkehr auch für Menschen deutlich einfacher, die nur gelegentlich Busse und Bahnen nutzen und auch kein Abo abschließen möchten.
Das 2023 eingeführte Deutschlandticket ist vor allem für Pendler und andere Vielfahrer interessant und hat inzwischen 14,5 Millionen Kunden. Es ermöglicht Fahrten in allen Bussen und Bahnen des Regional- und Nahverkehrs in Deutschland, unabhängig von Tarifbestimmungen. Es wird als monatlich kündbares Abo angeboten und kostet seit Jahresbeginn 63 Euro im Monat.
Deutschlandticket als Vorbild
Für das nächste Jahr soll der Preis erstmals nach einem neuen Index berechnet werden, der Personal-, Energie- und andere Kosten berücksichtigt. Eine Bekanntgabe des Preises für 2027 wird demnächst erwartet. Verbraucherverbände warnten schon mehrfach vor einer weiteren starken Anhebung, nachdem der Preis von zunächst 49 Euro bereits auf 58 Euro und aktuell auf 63 Euro gestiegen ist.
Allerdings schlagen die gestiegenen Energiepreise infolge des Irankriegs auch bei den Verkehrsunternehmen mit ihren Bussen, Zügen, Straßenbahnen und U-Bahnen durch. Da das Deutschlandticket immer noch günstiger ist als übliche regionale Pendler-Abos, schießen Bund und Länder schon jeweils 1,5 Milliarden Euro im Jahr als Ausgleich für Einnahmeausfälle bei Verkehrsunternehmen zu.