Vorbild Deutschland-Ticket: Kommt jetzt die Fahrkarten-Revolution?

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Vorbild Deutschland-Ticket: Kommt jetzt die Fahrkarten-Revolution?
Ein neues Tarif-Modell könnte Verbrauchern helfen. (Symbolbild)
Vorbild Deutschland-Ticket: Kommt jetzt die Fahrkarten-Revolution?
Thomas Banneyer/dpa

Die Verbraucherzentralen fordern ein einfacheres Tarifsystem für Bus und Bahn im Nahverkehr. Ein neues Preismodell nach Fahrtzeit soll Orientierung im Tarifdschungel schaffen und günstige Alternativen zum Auto bieten.

Nimmt man eine Einzelfahrt von Zone M bis Zone 4 oder für die Ringe 1 und 2? Ist das Ticket AB ausreichend für den Flughafen, oder benötigt man zusätzlich eines für C? Und wie viele Haltestellen zählen eigentlich noch als preiswerte Kurzstrecke? Wenn es um das Bus- und Bahnfahren im Nahverkehr geht, rätseln oft nicht nur Touristen, welcher Tarif wohl der richtige und günstigste ist – und steigen dann vielleicht nicht ein. Für Vielfahrer gibt es bereits das Deutschlandticket, mit dem man sich darüber keine Gedanken machen muss. Die Verbraucherzentralen fordern nun auch ein einfaches Preismodell für Gelegenheitsfahrer.

Die Vorsitzende des Bundesverbands, Ramona Pop, äußerte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: "Wer in Deutschland Bus und Bahn nutzt, braucht ein Tarifsystem, das überall gleich funktioniert." Das Deutschlandticket sei ein erfolgreicher Anfang, um den Tarifdschungel zu beseitigen. Dies sei auch für gelegentliche Nutzer notwendig, die weiterhin vor einem unübersichtlichen Flickenteppich aus Verbundgrenzen, Tarifzonen und Ticketangeboten stünden.

Preismodell als "attraktive Alternative zum Auto"

Die Verbraucherschützer schlagen daher ein Preismodell vor, das sich allein an der "genutzten Zeit" auf Basis des Fahrplans orientiert. Konkret sollte es nur noch fünf Ticketarten geben – für 15 Minuten, 30 Minuten, 60 Minuten, 120 Minuten und für 24 Stunden. Dieser Tarifansatz sei einheitlich nutzbar, intuitiv und leicht verständlich, heißt es in einem Positionspapier. Das Prinzip müsse von Fahrgästen einmal verstanden werden und könnte dann überall gelten.

"Gerade in Zeiten steigender Spritpreise brauchen Verbraucher attraktive Alternativen zum Auto", sagte Pop. Das System sollte digital, aber auch analog etwa mit Fahrscheinautomaten nutzbar sein. Somit würde der öffentliche Nahverkehr auch für Menschen deutlich einfacher, die nur gelegentlich Busse und Bahnen nutzen und auch kein Abo abschließen möchten.

Das 2023 eingeführte Deutschlandticket ist vor allem für Pendler und andere Vielfahrer interessant und hat inzwischen 14,5 Millionen Kunden. Es ermöglicht Fahrten in allen Bussen und Bahnen des Regional- und Nahverkehrs in Deutschland, unabhängig von Tarifbestimmungen. Es wird als monatlich kündbares Abo angeboten und kostet seit Jahresbeginn 63 Euro im Monat.

Deutschlandticket als Vorbild

Für das nächste Jahr soll der Preis erstmals nach einem neuen Index berechnet werden, der Personal-, Energie- und andere Kosten berücksichtigt. Eine Bekanntgabe des Preises für 2027 wird demnächst erwartet. Verbraucherverbände warnten schon mehrfach vor einer weiteren starken Anhebung, nachdem der Preis von zunächst 49 Euro bereits auf 58 Euro und aktuell auf 63 Euro gestiegen ist.

Allerdings schlagen die gestiegenen Energiepreise infolge des Irankriegs auch bei den Verkehrsunternehmen mit ihren Bussen, Zügen, Straßenbahnen und U-Bahnen durch. Da das Deutschlandticket immer noch günstiger ist als übliche regionale Pendler-Abos, schießen Bund und Länder schon jeweils 1,5 Milliarden Euro im Jahr als Ausgleich für Einnahmeausfälle bei Verkehrsunternehmen zu.

Als Flatrate-Angebot, mit dem man sich nicht um Tarifzonen kümmern muss, ist das Deutschlandticket Vorbild für den Vorschlag der Verbraucherzentralen – nur eben nicht gleich für mindestens einen Monat. Die fünf Ticketstufen von 15 Minuten bis 24 Stunden ermöglichten eine ausreichende Differenzierung für unterschiedliche Mobilitätsbedürfnisse, heißt es in dem Positionspapier. Die Fahrtzeit sei, anders als die Strecke oder die Anzahl der durchquerten Tarifräume, in der Regel bekannt. Das mache die Wahl des richtigen Tickets auch intuitiver.

Neues Modell könnte "erlösneutral" sein

Preise nennen die Verbraucherzentralen in ihrem Vorschlag nicht – das neue Modell könne aber insgesamt "erlösneutral" ausgestaltet werden, also auf dem Niveau der heutigen Fahrpreiseinnahmen.

In einem für das Konzept in Auftrag gegebenen Gutachten gibt es dazu eine Modellierung auf Basis der Preise von 2026 und mit dem Hinweis, dass dies bei einer möglichen späteren Einführung anzupassen wäre. Demnach könnte ein Ticket für 15 Minuten 2,50 Euro kosten, für 30 Minuten 3,50 Euro, für 60 Minuten 5,00 Euro, für 120 Minuten 6,50 Euro und für 24 Stunden 14,50 Euro.

Ein Ermäßigungstarif könnte jeweils die Hälfte kosten. Und berechnet würde die Fahrtzeit jeweils nach dem Fahrplan, sodass Kunden nicht mehr bezahlen müssen, wenn es Verspätungen oder Ausfälle gibt. Möglich sei auch, es für flexible digitale Zahlungsmethoden zu verwenden, die es in einigen Regionen bereits gibt – indem man sich zum Beispiel per App selbst ein- und auscheckt und der günstigste Fahrpreis dann automatisch berechnet wird.