Vor diesen großen Aufgaben steht der neue Verkehrsminister
Autor: Andreas Hoenig, dpa
, Montag, 27. Juli 2026
Nach denkwürdigen Tagen steht fest, wer neuer Bundesverkehrsminister wird. Was den neuen Ressortchef erwartet.
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) muss gehen - die Probleme aber bleiben. Neuer Ressortchef wird Steffen Bilger (CDU), bisher Parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion. Vorausgegangen sind turbulente Tage: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) informierte Schnieder schon am Donnerstag darüber, dass er ihn entlassen wolle. Der auserkorene Nachfolger, der CDU-Finanzexperte Fritz Güntzler, sagte zu - dann aber wieder ab. Am Sonntag überschlugen sich die Ereignisse: Schnieder selbst bat um seine Entlassung, um den «unwürdigen Zustand» zu beenden, wie es in einer Erklärung hieß. Dann folgte die Mitteilung der Bundesregierung, dass Bilger neuer Minister werden soll.
Auch Bilger steht vor schwierigen Aufgaben. Anders als Güntzler kennt er sich allerdings in der Verkehrspolitik aus, er war früher Parlamentarischer Staatssekretär im Verkehrsministerium.
Merz nennt Erwartungen an Bilger
Über den Umgang von Merz mit Schnieder gibt es viel Unmut. Der Kanzler nannte auch am Montag keine konkreten Gründe, warum Schnieder gehen muss. Merz sagte, er habe Schnieder erläutert, warum er die Neuaufstellung wolle. Mit Blick auf Bilger sagte Merz: «Ich möchte, dass er im Bundesverkehrsministerium jetzt die Chancen nutzt, die das Investitionsprogramm aus unserem Sondervermögen bietet.»
Investitionen in die Infrastruktur müssten schnell kommen - um zu zeigen, dass die enorme Schuldenaufnahme ihre Rechtfertigung habe, sagte der Kanzler. Dazu gehöre, dass privates Kapital zur Finanzierung der Infrastrukturmodernisierung mobilisiert werde. Merz nannte auch die Kreditfähigkeit der Autobahngesellschaft. Die bundeseigene Autobahn GmbH soll künftig Kredite aufnehmen und dadurch ihre finanziellen Spielräume erweitern können.
Der Kanzler sagte, auch Bilger werde «keine Wunder vollbringen» - aber er werde das Ministerium fachlich vom ersten Tag an gut führen.
Sondervermögen
Aus dem 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen geht ein Großteil in die Infrastruktur. Immer wieder gibt es Kritik, dass Mittel zu langsam abfließen. «Trotz Sondervermögens kommen zu wenig Mittel in der Infrastruktur an», sagte René Hagemann, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Bauindustrie. «Deutschland braucht endlich verlässliche Finanzierung, Planungssicherheit und den politischen Willen, Brücken, Straßen, Schienen und Wasserstraßen tatsächlich zu bauen.» Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) müsse den Weg frei machen für eine ausreichende Finanzierung der Infrastruktur.
Im Sondervermögen liegt der Fokus auf dem Erhalt des Schienennetzes sowie von Brücken. Geld für den Neu- und Ausbau von Bahnstrecken und Autobahnen kommt aus dem Kernhaushalt - und da ist die Lage angespannt. Von 2028 an klaffen Milliardenlücken im Etat. Mehrfach hat das Verkehrsministerium darauf hingewiesen, dass etwa für neue Bahnstrecken perspektivisch viel Geld fehlt.