Vor 50 Jahren - als Aldi die USA eroberte
Autor: Christian Rothenberg, dpa
, Dienstag, 21. April 2026
Aldi ist auch in den USA längst eine feste Größe. Wie der Discounter nach schwierigem Start zu einem der größten Lebensmittelhändler des Landes wurde.
Am 21. April 1976 ist es so weit. In Iowa City wird die erste Aldi-Filiale in den USA eröffnet. Sie schließt zwar schon kurze Zeit später wieder, dennoch beginnt damit eine Erfolgsgeschichte. Heute, 50 Jahre später, gibt es in den Vereinigten Staaten mehr als 2.600 Aldi-Filialen. Ein Blick zurück.
Bereits 1961 teilen die Aldi-Gründer Karl und Theo Albrecht ihr Reich in zwei unabhängige Unternehmen auf. Seitdem durchschneidet der Aldi-Äquator Deutschland. Auch international sind die Zuständigkeiten klar geregelt: Aldi Nord ist etwa in Frankreich, den Niederlanden, Polen und Spanien aktiv - Aldi Süd unter anderem in Großbritannien, Italien, Australien und den USA.
Der Einstieg in den US-Markt beginnt 1976. In dem Jahr, in dem Aldi Süd in Deutschland bereits mehr als 500 Filialen betreibt, übernimmt Karl Albrecht die Benner Tea Co., eine kleine US-Supermarktkette im Mittleren Westen. Damit sichert sich das Unternehmen Zugriff auf ein Zentrallager, eine funktionierende Verwaltung und ein erfahrenes Management-Team. Aldi nutzt die bestehende Infrastruktur für einen schnellen Markteintritt und wandelt die Geschäfte in den Bundesstaaten Iowa, Illinois und Missouri schrittweise in Aldi-Filialen um.
«Wir haben keine schicken Regale»
In Zeitungsanzeigen wirbt der Discounter im April 1976 mit «10 Gründe, warum Aldi günstiger verkauft». Kunden erfahren darin, was sie erwartet - und was nicht: Es gibt keine Tüten («Bring you own box or bag») und keine Kühlgeräte oder Gefriertruhen und so gut wie keine verderbliche Ware. «Wir haben keine schicken Regale», heißt es. Und: «Nur bei Aldi finden Sie so günstige Preise.»
Aldi hebt sich von anderen US-Lebensmittelhändlern ab, die große, aufwendig gestaltete Märkte mit riesigem Sortiment, vielen Markenartikeln und breiten Gängen haben. In den ersten Filialen stehen weniger als 500 Artikel und fast ausschließlich Eigenmarken. Aldi setzt dabei auf das Box-Store-Konzept. Die Waren werden schmucklos präsentiert - in den Kartons, in denen sie geliefert werden. Kunden müssen ihre Einkäufe selbst einpacken. Der Discounter überträgt sein deutsches Konzept nahezu unverändert.
Der Start sei holprig verlaufen, sagt Markus Schröder. Der Einzelhandelsberater und Dozent der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Heilbronn war von 2006 bis 2013 Einkaufsdirektor bei Aldi Süd in der Schweiz. Schröder zufolge weicht das Aldi-Konzept damals stark von den Gewohnheiten der US-Kunden ab. «Die Konsumenten waren von den spartanisch eingerichteten Läden und der geringen Auswahl nicht begeistert. Sie waren befremdet von fehlenden Preisschildern, Beutelgebühren und Pfandwagen.»
Aldi erreicht zunehmend wohlhabendere Kunden
Aldi leidet unter dem Stigma, ein Händler für einkommensschwache Kunden zu sein. Die erste Filiale wird schnell wieder geschlossen. Sie sei zu groß gewesen, die Lage in einem Einkaufszentrum nicht ideal, so Schröder. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten fasst Aldi Fuß in den USA. Das Unternehmen profitiert dabei von seinem «No-Frills»-Konzept - Einfachheit, kein Schnickschnack, radikale Kosteneffizienz. Dies ermögliche niedrige Preise, sagt Schröder.