1981 betreibt Aldi bereits mehr als 100 Filialen, 2009 eröffnet der Discounter die 1.000., 2020 sind die 2.000 voll. Im Jahr 2024 setzt Aldi Süd in den USA laut Handelsforschungsinstitut EHI 29,5 Milliarden Euro um - rund zehn Milliarden mehr als in Deutschland. Mit den Aldi-Läden aus den 70ern haben die heutigen Filialen nicht mehr viel gemein. Die Gänge sind breiter, die Verkaufsflächen heller. «Die Stores sind inzwischen sehr modern», sagt Schröder. Auch das Image habe sich gewandelt, Aldi erreiche zunehmend auch wohlhabendere Kunden.
Das Filialnetz von Aldi Süd in den USA ist heute größer als das in Deutschland. Das Unternehmen ist inzwischen in den meisten US-Bundesstaaten vertreten und beschäftigt landesweit mehr als 45.000 Menschen. Gesteuert wird das US-Geschäft vom Firmensitz in Batavia im Bundesstaat Illinois.
Experte: «Aldi ist in den USA brutal erfolgreich»
Spricht man in Washington Menschen auf Aldi an, fällt schnell ein Stichwort: günstige Preise. Lebensmittel sind in den USA deutlich teurer als in Deutschland. Einkäufe im Supermarkt können schnell richtig teuer werden, daher macht es einen Unterschied, wenn man in einen Discounter geht.
So sind in den USA unter anderem Mineralwasser, Butter, Rindfleisch, viele Milchprodukte, Tiefkühlpizza und Brot in deutscher Qualität deutlich teurer. Gerade Brot ist auch ein Grund, warum deutsche Discounter im Bagel-Land USA beliebt sind. Über Apps kann man auch bestellen und sich alles liefern lassen. In Deutschland ist das nur in wenigen Städten möglich. Viele Amerikaner sind überrascht, wenn sie hören, dass Aldi eine deutsche Kette ist.
«Aldi ist in den USA brutal erfolgreich», sagt Experte Schröder. Gerade in Zeiten hoher Inflation schätzten Kunden niedrige Preise. Aldi habe zudem keinen ernstzunehmenden direkten Wettbewerber mit vergleichbarem Konzept. Viele Menschen zelebrieren auch die wöchentlichen Aktionen. Vier Millionen Mitglieder zählt die Facebook-Gruppe «Aldi Aisle of Shame Community» (übersetzt: Gang der Schande Community). Der Name ist eine scherzhafte Anspielung auf die Non-Food-Angebote im Mittelgang der Filialen.
Aldi ist neben Deutschland inzwischen weltweit noch in 17 weiteren Ländern tätig, unter anderem auch in China und Australien. In den USA sind beide Aldi-Gruppen vertreten - Aldi Nord allerdings unter dem Namen Trader Joe's. Die Supermarktkette betreibt mehr als 630 Läden.
«Leidenschaftliche, fast kultartige Anhängerschaft»
Mit Genugtuung dürfte Aldi auf den Rivalen Lidl schauen. Während sich beide Unternehmen in Deutschland ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern, sind die Verhältnisse in den USA eindeutig. Lidl ist erst seit 2017 dort aktiv, hat lediglich rund 200 Filialen, allesamt an der Ostküste und im Südosten des Landes.
Bei Aldi ist ein Ende der Expansion nicht absehbar. Im Laufe dieses Jahres werden zahlreiche weitere Märkte eröffnet, 2.800 sollen es bis Ende 2026 sein. Damit könnte Aldi die Kette Kroger überholen und zum zweitgrößten Lebensmittelhändler hinter Walmart aufsteigen. Bis Ende 2028 will Aldi 3.200 Geschäfte betreiben. «Aldis leidenschaftliche, fast kultartige Anhängerschaft beflügelt seine rasanten Expansionspläne», schreibt die «New York Times».
Experten sehen großes Potenzial. Das Discountformat wachse in den USA stark, schreiben Schröder und sein Kollege, der Handelsprofessor Carsten Kortum, in ihrem Fachartikel anlässlich des 50-jährigen US-Jubiläums von Aldi. Der Anteil preisorientierter Konsumenten steige, zugleich gewönnen Discounter gegenüber klassischen Supermärkten kontinuierlich Marktanteile. Die Erfolgsgeschichte von Aldi in den USA ist also womöglich noch nicht zu Ende.