Von Mieten bis Müll: Was man zur Berlin-Wahl wissen muss
Autor: Stefan Kruse und Torsten Holtz, dpa
, Samstag, 19. Sept. 2026
Bei der Wahl in der Hauptstadt treten am Sonntag 17 Parteien an, erstmals dürfen alle ab 16 Jahren wählen. Welche Koalitionen sind möglich? Und was war im Wahlkampf besonders umstritten?
Der Erfolg der AfD in Sachsen-Anhalt hat auch international Schlagzeilen gemacht – jetzt rücken die Hauptstadt Berlin und ein möglicher Wahlsieg einer Sozialistin in den Fokus. Am Sonntag können rund 2,5 Millionen Berliner bestimmen, welche Parteien in ihrem Landesparlament sitzen – und ob mit Elif Eralp erstmals eine Linke den Bürgermeisterposten in der Hauptstadt erringt. Es wird spannend, denn in den Umfragen liegen Linke und CDU nah beieinander vor Grünen, AfD und SPD. Auch im Bund könnte die Abstimmung in Berlin, kombiniert mit der zeitgleichen Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern, durchaus dramatische Folgen haben. Das sollte man zur Berlin-Wahl wissen:
Was wird gewählt und wer darf wählen?
In jedem der 78 Wahlkreise wird ein Direktkandidat für das Abgeordnetenhaus gewählt – so heißt das Berliner Landesparlament. Die Zweitstimmen der etwa 2,5 Millionen Wahlberechtigten bestimmen die Sitzverteilung. Regulär gibt es 130 Abgeordnete, aktuell sind es durch Überhang- und Ausgleichsmandate 159. Außerdem bestimmen die Wählerinnen und Wähler die Zusammensetzung der Kommunalparlamente in den zwölf Bezirken neu.
Es gehen nur halb so viele Parteien mit eigenen Listen ins Rennen wie vor drei Jahren. Diesmal treten 17 Parteien fürs Abgeordnetenhaus an. Zum Vergleich: Bei der wegen Pannen gerichtlich angeordneten Wiederholungswahl 2023 konkurrierten noch 33 Parteien.
Berücksichtigt werden nur Parteien, die mindestens fünf Prozent der Zweitstimmen holen. Das soll eine Zersplitterung des Parlaments verhindern und so dessen Arbeitsfähigkeit sicherstellen.
Erstmals dürfen 16- und 17-Jährige abstimmen, diese Gruppe stellt etwa zwei Prozent der Wahlberechtigten. Für die Wahlen in den Bezirken gilt das schon länger. Auf Bezirksebene dürfen auch EU-Bürger wählen.
Wie ist die Ausgangslage?
Seit 2023 regiert eine Koalition aus CDU und SPD. Grüne, Linke und AfD bilden die Opposition. Regierender Bürgermeister ist Kai Wegner (CDU), der aber nicht noch einmal antritt. Er war im Juli als Spitzenkandidat zurückgetreten, nach immer neuen Enthüllungen über seine falschen Angaben zum Krisenmanagement während eines großen Stromausfalls im Januar. Kurzfristig übernahm Finanzsenator Stefan Evers (46), der vor drei Jahren Wegners erfolgreichen Wahlkampf organisiert hatte.
Seine laut Umfragen schärfste Konkurrentin ist die Linke Eralp. Die 45-jährige Juristin stand bis zum Wahlkampf als Vize-Fraktionschefin eher in der zweiten Reihe. Die zweifache Mutter wirbt damit, «Miet-Abzocke» zu stoppen und Berlin «wieder bezahlbar» zu machen. Sie muss sich aber auch mit Vorwürfen auseinandersetzen, dass es in ihrer Partei inzwischen viele offen antisemitisch eingestellte Palästina-Aktivisten gibt.