Volle Stadien, volle Hotels? Die WM und der Tourismus
Autor: Kilian Genius, dpa
, Mittwoch, 10. Juni 2026
Millionen Fans werden zur Fußball-WM in Nordamerika erwartet. Die USA rechnen mit dem bestbesuchten Turnier der Geschichte. Für die Gastgeber geht es um weit mehr als Sport.
Wenn die Fußball-WM am Donnerstag beginnt, hoffen nicht nur die Teams auf Erfolg. Auch die Tourismusbranche blickt mit großen Erwartungen auf das Turnier. Die USA rechnen mit der bestbesuchten Weltmeisterschaft der Geschichte, sagte US-Tourismusbeauftragter Nick Adams der Deutschen Presse-Agentur.
«Niemand inszeniert ein solches Spektakel wie Amerika.» Die USA bereiteten sich auf eine Veranstaltung mit dem Umfang von 78 Super Bowls vor, sagte Adams. Der Super Bowl ist das Endspiel der amerikanischen Football-Liga NFL. Das Land sei mit der Ausrichtung großer internationaler Veranstaltungen vertraut.
Alle jüngsten Daten deuteten auf eine steigende Nachfrage hin. Fluggesellschaften schafften zwischen Juni und Oktober wegen der erwarteten Nachfrage rund eine Million zusätzliche Sitzplätze auf Verbindungen zwischen Europa und den USA, sagte Adams unter Verweis auf Zahlen des Dienstleisters Cirium. Zudem dürften Besucher etwa fünf Prozent mehr Geld ausgeben als im Vorjahr.
Der Fußball-Weltverband erwartet rund 6,5 Millionen Besucher in den Stadien, etwa 40 Prozent davon sollen aus dem Ausland kommen. Die Tourismusprognosen seien vielversprechend, heißt es von der FIFA. Doch was bringt eine Fußball-Weltmeisterschaft dem Tourismus tatsächlich?
Fans kommen, Urlauber weichen aus
Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Tourismuswissenschaft, Jürgen Schmude, hält die Erwartungen an Großereignisse grundsätzlich für nachvollziehbar. «Sportliche Großereignisse haben auf jeden Fall Auswirkungen auf den Tourismus – vor allem durch eine starke Nachfrage von Fans und Anhängern der beteiligten Mannschaften.»
Zugleich mahnt Schmude zu einer differenzierten Betrachtung der Besucherzahlen. Die WM-Gäste ließen sich nicht einfach hinzurechnen: «Normale Touristen werden verdrängt oder entscheiden sich in dieser Zeit für andere Reiseziele.»
Als entscheidenden Faktor bei Reiseentscheidungen sieht Schmude die Kosten. «Wenn Flugtickets teuer sind und die Hotelpreise stark steigen, schreckt das viele Reisende ab.» Die Preise gehören vor der WM zu den meistdiskutierten Themen. Adams hält dagegen: Die Veranstalter bemühten sich um möglichst erschwingliche Angebote – sowohl bei Flügen als auch bei Eintrittskarten. Tickets für WM-Spiele seien für weniger als 300 US-Dollar (rund 260 Euro) erhältlich. Fanvertreter kritisieren hingegen die Preise als viel zu hoch.