Vier Verdächtige nach Anschlag auf Berliner Strommasten
Autor: Andreas Rabenstein und Anne-Beatrice Clasmann, dpa
, Dienstag, 24. März 2026
50.000 Menschen waren im September 2025 in Berlin ohne Strom, als Starkstromkabel angezündet wurden. Für Techfirmen bedeutete das Millionenschäden.
Rund sechs Monate nach dem mutmaßlich linksextremen Brandanschlag auf die Stromversorgung eines Berliner Technologieparks hat die Polizei vier Verdächtige ermittelt. Bei einer großen Razzia durchsuchten Polizisten seit dem frühen Morgen 17 Wohnungen und andere Räume in Berlin, Hamburg, Düsseldorf und Kyritz in Brandenburg, wie die Generalstaatsanwaltschaft Berlin mitteilte. 500 Polizisten waren im Einsatz.
Den vier Beschuldigten im Alter von 28, 31, 35 und 36 Jahren wird verfassungsfeindliche Sabotage vorgeworfen. Nach dpa-Informationen handelt es sich um zwei Männer und zwei Frauen. Sie sollen mit dem Brandanschlag am 9. September 2025 auf zwei Strommasten den Stromausfall verursacht zu haben. Betroffen waren zeitweise rund 50.000 Privathaushalte und rund 2.000 Gewerbebetriebe.
Verdächtige nicht festgenommen
Festgenommen wurden die Verdächtigen aber nicht. Haftbefehle können nur bei dringendem Tatverdacht und entsprechenden Beweisen erlassen werden.
Am 9. September 2025 hatte ein nächtliches Feuer Starkstromkabel im Südosten Berlins weitgehend zerstört. In einem Bekennerschreiben im Internet war von einem Angriff auf den Technologiepark Adlershof und die dortigen Firmen und Forschungseinrichtungen aus den Bereichen IT, Robotik, Bio- und Nanotechnologie, Raumfahrt sowie Sicherheits- und Rüstungsindustrie die Rede. Bei den Firmen wurden nach aktuellen Schätzungen Schäden zwischen 30 und 70 Millionen Euro verursacht.
Der Brandanschlag wird nach dpa-Informationen dem linksextremistischen Spektrum zugeordnet. An der Aufklärung soll das Bundesamt für Verfassungsschutz maßgeblich beteiligt gewesen sein. Nach einem Bericht der Zeitung «Die Welt» richtete sich der Einsatz gegen eine anarchistische Gruppe. Eine Rolle soll auch ein anarchistisches Magazin einer kleinen Gruppe aus Bayern spielen.
Keine Verbindungen zum zweiten Anschlag im Januar bekannt
Über mögliche Verbindungen der mutmaßlichen Täter zu dem zweiten großen Brandanschlag auf Starkstromkabel in Berlin am 3. Januar und den sogenannten Vulkangruppen ist bisher nichts bekannt. Diese Gruppen hatten den Anschlag für sich reklamiert.
«Wir beobachten die linksextremistische Szene seit den Anschlägen auf die kritische Infrastruktur in Zusammenhang mit Adlershof und dem 3. Januar sehr genau», sagte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU). Die Sicherheitsbehörden seien dazu in einem engen Austausch. «Sämtlichen Hinweisen zu dem Anschlag im Südwesten Berlins Anfang des Jahres wird weiterhin intensiv nachgegangen.»