Lange Nacht: Haushalts-Beschlüsse mit Fragezeichen
Autor: Theresa Münch, dpa
, Freitag, 17. November 2023
Die Haushälter im Bundestag müssen nachsitzen. Erst kommende Woche wollen sie den Etat für 2024 absegnen. Vieles wurde trotzdem schon beschlossen. Die Opposition hat damit ein Problem.
Die Erzählungen am Morgen nach der langen Haushaltsnacht könnten unterschiedlicher kaum sein. Bei den Etats der Bundesministerien brennt nichts mehr an - das ist die Botschaft der Ampel-Koalition.
Die Opposition dagegen hält den gesamten Haushalt 2024 für unseriös - und möglicherweise auch verfassungswidrig. «Die laufen quasi sehenden Auges in die nächste Falle rein», sagte Unions-Haushälter Christian Haase am Freitag über SPD, Grüne und FDP.
Von Donnerstagmittag bis Freitagfrüh um etwa 4.20 Uhr stimmten die Haushälter im Bundestag über Hunderte Änderungen am Etatentwurf für 2024 ab. Die Mittel für Regelzahlungen aus dem Bürgergeld wurden um 3,4 Milliarden Euro angehoben, der kreditfinanzierte Kapitalstock für die Aktienrente um zwölf Milliarden aufgestockt.
Ministerinnen und Minister mussten vorsprechen, um ihre Ausgabepläne zu verteidigen. Business as usual in der sogenannten Bereinigungssitzung könnte man meinen.
Folgen des Karlsruher Urteils noch unklar
Doch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts bringt die Haushaltspolitik kräftig durcheinander. Es habe «quasi dem Haushalt die Beine weggezogen», sagt Haase. Die Richterinnen und Richter rissen ein 60 Milliarden großes Loch in einen Sondertopf zur Finanzierung von Klimaprojekten und der Modernisierung der Wirtschaft. Außerdem entschieden sie quasi, dass es nicht mit dem Grundgesetz vereinbar ist, Schulden auf Vorrat zu machen.
Welche Folgen das nicht nur für die Klimaprojekte, sondern auch für die Energiepreisbremsen und weitere Töpfe hat, traut sich noch keiner abschließend einzuschätzen. Die Union erwägt bereits eine Klage wegen den Wirtschaftsstabilisierungsfonds, aus dem Strom- und Gaspreisbremse finanziert werden. Auch die Ampel prüft ihn. Man müsse klären, was daraus noch finanziert werden könne, sagte FDP-Chefhaushälter Otto Fricke.
Deshalb machten die Haushälter des Bundestags keinen finalen Strich unter den Etat. Wie viel der Bund im kommenden Jahr ausgibt, wie viele Schulden er macht - all das steht noch nicht endgültig fest. Nächsten Donnerstag müssen die Haushälter nachsitzen.