Wackelt Galeria erneut?
Autor: Christian Rothenberg, dpa
, Montag, 20. April 2026
Nach der letzten Insolvenz wollte Galeria den Neustart versuchen. Nun mehren sich die Hinweise, dass die Warenhauskette schon wieder in Schwierigkeiten ist.
10 Euro Rabatt ab einem Einkaufswert von 60 Euro, 40 Euro ab 200 Euro: Damit wirbt die Warenhauskette Galeria auf ihrer Internetseite. «Die Deals laufen - du auch?», heißt es da. Verdächtig ist das zunächst nicht. Schließlich sind viele Verbraucher derzeit nicht in Kauflaune und besonders empfänglich für Sonderangebote. Steckt womöglich mehr dahinter?
So verdichten sich in diesen Tagen die Anzeichen, dass Galeria wieder in der Krise steckt. Laut einem Bericht der «Immobilien Zeitung» beklagen mehrere Vermieter, dass Mietzahlungen für April ausgeblieben sind.
Betroffen ist unter anderem die Filiale am Berliner Alexanderplatz, deren Immobilie Commerz Real gehört. Die April-Miete sei bislang nicht gezahlt worden, sagte ein Unternehmenssprecher der Deutschen Presse-Agentur. «Wir beobachten das mit Sorge. Bisherige Kontaktversuche sind ins Leere gelaufen. Es ist niemand erreichbar, sodass wir uns fragen, wie es jetzt weitergeht», sagte er. Ein weiteres Unternehmen bestätigte, dass die Miete für April bislang nicht pünktlich und vollständig eingegangen sei. In einigen Fällen soll Galeria Berichten zufolge auch um eine Stundung gebeten haben.
Handelsexperte: vierte Insolvenz «eine reale Gefahr»
Das Unternehmen teilte auf Nachfrage lediglich mit: «Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir Fragen zu internen Vertragsdetails sowie zu laufenden Gesprächen und Verhandlungen nicht kommentieren.»
Johannes Berentzen von der Handelsberatung BBE sieht seit der letzten Insolvenz durchaus positive Entwicklungen. Als Beispiele nennt er gesunkene Mieten, Partnerschaften mit Lidl oder Decathlon sowie eine stärkere lokale Ausrichtung. «Doch ohne ausreichend Investitionskapital lässt sich ein Kaufhaus nicht transformieren – das rächt sich jetzt», sagte der Handelsexperte. Galeria sei ein überdimensioniertes Modell ohne klares Profil. Solange dieses Problem nicht gelöst sei, bleibe eine vierte Insolvenz «eine reale Gefahr».
«Galeria funktioniert wieder aus eigener Kraft»
Ein Blick zurück: Anfang 2024 hatte die Kette zum dritten Mal innerhalb von vier Jahren Insolvenz anmelden müssen. Gründe dafür waren unter anderem die finanzielle Schieflage des Mutterkonzerns Signa und hohe Mietkosten. Am Ende des Verfahrens wurden neun der 92 Standorte geschlossen – weit weniger als Branchenexperten erwartet hatten. Bei der Suche nach einem neuen Eigentümer stand eine Frage im Mittelpunkt: Wer hat die Finanzkraft, um Galeria zu stabilisieren und zukunftsfähig zu machen?
Seit Sommer 2024 gehört die Kette der US-Investmentgesellschaft NRDC und einer Beteiligungsfirma des Unternehmers Bernd Beetz. Sie riefen den Neustart aus und kündigten Investitionen an. Von bis zu 100 Millionen Euro in den nächsten zwei bis drei Jahren war die Rede. Experten hatten damals bereits Zweifel, dass dies genügt. Galeria tauschte die riesige Unternehmenszentrale in Essen gegen eine deutlich kleinere in Düsseldorf ein. Die Namen Kaufhof und Karstadt verschwanden aus dem Firmennamen.