Vergesellschaftung soll kommen – was könnte sie bringen?
Autor: Matthias Arnold, dpa
, Mittwoch, 21. Oktober 2026
Etwa 160.000 Berliner Wohnungen sollen in Landesbesitz übergehen – ein bundesweit einmaliger Schritt. Warum Ökonomen warnen, dass dadurch Mieten sogar steigen könnten.
Ein zentrales Wahlversprechen der Linken in Berlin nimmt Gestalt an: Die Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne könnte unter einer von ihr geführten Regierung mit Grünen und SPD Realität werden. In einem gemeinsamen Sondierungspapier haben sie sich zu dem Vorhaben bekannt. Es wäre eine bisher einmalige Maßnahme in Deutschland. Was die Parteien damit erreichen wollen und warum viele das kritisch sehen.
Was haben Linke, Grüne und SPD vereinbart?
Die drei Parteien haben sich in ihrem Sondierungspapier darauf verständigt, etwa 160.000 Wohnungen von fünf Immobilienunternehmen in Landesbesitz zu überführen. Die Entschädigungssumme für die Konzerne soll auf 16 Milliarden Euro begrenzt, mit Krediten finanziert und über Mieten refinanziert werden. Betroffen sein sollen private Firmen ab einem Bestand von 10.000 Wohnungen in Berlin.
Einen Grundbestand von 10.000 Wohnungen dürften sie dabei behalten. Genossenschaften und gemeinwohlorientierte Unternehmen sind von der Maßnahme laut Papier ausgeschlossen. Auch Wohnungen, die seit 2021 errichtet worden sind oder sich noch im Bau befinden, betrifft die geplante Vergesellschaftung demnach nicht.
Am stärksten betroffen wäre der Immobilienkonzern Vonovia mit nach eigenen Angaben 130.000 Wohnungen in Berlin.
Die Umsetzung könnte aber dauern. Mitte 2028 wollen die drei Parteien ein Gesetz vorlegen, das erst ein Jahr nach Beschlussfassung in Kraft treten soll. In der Zwischenzeit wird es wohl vom Verfassungsgericht überprüft, Klagen aus der Wohnungswirtschaft sind zu erwarten.
Wie soll die Maßnahme das Wohnungsproblem konkret lösen?
Mit der Vergesellschaftung will die mögliche Koalition aus Linke, Grüne und SPD den kommunalen Wohnungsbestand ausweiten und damit mehr Einfluss auf die Mieten in der Stadt gewinnen. Die Linke hat stets argumentiert, dass niedrige Mieten bei landeseigenen Wohnungen einen dämpfenden Effekt auf den gesamten Markt haben würden.
Demnach wirken sie sich auf den sogenannten Mietspiegel aus, der die ortsübliche Vergleichsmiete in Berlin abbildet und als Grundlage für bestimmte gesetzliche Vorgaben zu erlaubten Mieterhöhungen gilt.