Erneute Zinspause bei US-Notenbank Federal Reserve
Autor: Khang Mischke, dpa
, Mittwoch, 29. Juli 2026
Seit Jahresbeginn hat die Fed nichts am Leitzins geändert. Ihr bleibt auch kaum etwas anderes übrig. Die Notenbanker sind praktisch gefangen zwischen hoher Inflation und schwachem Arbeitsmarkt.
Die US-Notenbank Federal Reserve lässt den Leitzins wie erwartet ein weiteres Mal unverändert. Der Zentralbankrat stimmte mit neun zu drei Stimmen für eine erneute Zinspause. Damit bleibt die Spanne zum fünften Mal in diesem Jahr bei 3,5 bis 3,75 Prozent. Die drei Abweichler sprachen sich dabei für eine Zinserhöhung um einen Schritt (25 Basispunkte) aus.
Dass das Fed-Gremium nicht einstimmig votiert, ist zwar nicht außergewöhnlich – die hohe Anzahl zeigt allerdings, wie unterschiedlich stark die derzeitige hohe Teuerungsrate gewichtet wird. Offen für eine straffere Geldpolitik zeigten sich Beth M. Hammack, Neel Kashkari und Lorie K. Logan.
«Unsere Gespräche verliefen erneut kollegial und konstruktiv», sagte der neue Fed-Chef Kevin Warsh bei einer Pressekonferenz. Unter anderem hätten die Mitglieder über Ursachen und Wirkung der durch die Corona-Pandemie verursachten Lieferkettenprobleme, militärischer Konflikte und der «erheblichen Erhöhungen der Zollsätze» gesprochen. «Ich habe mir einen ordentlichen Familienstreit gewünscht, und den habe ich auch bekommen», führte Warsh später aus.
Er wiederholte sein Versprechen, dass die Fed Preisstabilität garantieren werde – ein Indiz dafür, dass er der Bekämpfung der Inflation Vorrang einräumen will. Die USA stünden bei der Entwicklung der Vollbeschäftigung zwar gut dar, «aber bei den Preisen deutlich schlechter», sagte Warsh.
Zugleich betonte er, dass diese Bemühungen noch mehr Zeit in Anspruch nehmen dürften. Seit mehr als fünf Jahren liegt die Teuerungsrate in den USA über dem von der Fed angestrebten Ziel von 2 Prozent. Dazu müsste sich das Gremium die Auswirkungen der vergangenen Schocks – darunter auch den Iran-Krieg und die daraus resultierende Energiekrise – anschauen. «Wir werden nicht zögern zu handeln», sagte Warsh weiter.
Fed sind die Hände gebunden
Die Energiekrise und der Iran-Krieg ließen praktisch keine andere Entscheidung zu: Nach der jüngsten Eskalation im Nahen Osten war der Preis für ein Fass (159 Liter) Rohöl der weltweiten Referenzsorte Brent über die Marke von 100 Dollar je Barrel gestiegen. Erst die jüngste Pause der US-Angriffe am Wochenende ließ den Preis wieder fallen.
Während Ökonomen vor diesem Hintergrund eine Zinssenkung praktisch ausgeschlossen hatten, wäre – wenn auch unwahrscheinlich – höchstens eine Zinsanhebung denkbar gewesen. Damit verbunden ist die Hoffnung, die Teuerungsrate in den Griff zu bekommen. Im Juni lag diese bei 3,5 Prozent. Zugleich war zuletzt die Beschäftigungsentwicklung deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben.