US-Notenbank lässt Leitzins unverändert – Warsh überrascht
Autor: Khang Mischke, dpa
, Mittwoch, 17. Juni 2026
Zum vierten Mal im laufenden Jahr bleibt der US-Leitzins unverändert. Die eigentliche Überraschung liefert der neue Fed-Chef Warsh.
Wegen der Energiekrise und Inflationssorgen infolge des Iran-Kriegs rührt die US-Notenbank Federal Reserve ein weiteres Mal den Leitzins nicht an. Der Zentralbankrat stimmte geschlossen für eine erneute Zinspause. Damit bleibt die Spanne zum vierten Mal in diesem Jahr bei 3,5 bis 3,75 Prozent. Nicht einmal der neue Fed-Chef Kevin Warsh wollte in seiner ersten Sitzung die von US-Präsident Donald Trump geforderten Zinssenkungen durchsetzen – stattdessen kündigte er weitreichende Reformen an.
Unter anderem solle überprüft werden, wie genau die Fed künftig kommuniziert. Ein Vorgeschmack dürfte die deutlich zusammengestrichene Fed-Stellungnahme sein, die in der Vergangenheit noch mehrere Seiten umfasste. Auch Pressenkonferenzen und die vierteljährlichen Projektionen sollen auf den Prüfstand kommen – letztere sind Warsh seit langem ein Dorn im Auge. Er habe zwar seine Kollegen dazu «ermuntert», weiterhin ihre Einschätzungen abzugeben, sagte er auf einer Pressekonferenz. Doch er selbst habe nicht teilgenommen.
Seinen Auftritt vor Pressvertretern nahm er zum Anlass, die bisherigen Datenerhebungsmethoden deutlich zu kritisieren. «Die meisten Daten, die Zentralbanker und andere Regierungsbeamte in den Vereinigten Staaten verwenden, stammen aus altmodischen Umfragemethoden», sagte Warsh. Er sei überzeugt, dass es im Privatsektor «viele neue Datenquellen» gebe.
Projektionen fallen deutlich anders aus als noch im März
Die Projektionen sind Einschätzungen des siebenköpfigen Fed-Vorstands und der zwölf Regionalbankpräsidenten in Bezug auf die Entwicklung von Wirtschaftswachstum, Inflation und Zinspolitik.
Noch im März rechnete niemand mit einer strafferen Geldpolitik. Angesichts der aktuellen Inflation erwarten nun 9 der 18 befragten Fed-Mitglieder mindestens eine Erhöhung um einen Schritt (25 Basispunkte). Unter diesen können sich sechs eine noch weitreichendere Straffung vorstellen. Acht weitere Mitglieder rechnen unterdessen mit einer Zinspause für 2026. Nur ein einziges Mitglied erwartet einen Zinsschritt nach unten.
«Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinsanhebung ist in Anbetracht der Projektionen und des Wortlauts während der Pressekonferenz wahrscheinlicher geworden, allerdings ist diese auch nicht in Stein gemeißelt», sagte Thomas Gitzel, Chefökonom bei der VP Bank.
Energiekrise und starker Arbeitsmarkt
Grund für die neuen Projektionen und die Zinspause sind die Folgen des Iran-Kriegs und die lange Blockade in der Straße von Hormus, die das weltweite Energieangebot deutlich eingeschränkt haben. Entsprechend müssen Firmen derzeit viel mehr Geld für Öl, Gas und Dünger ausgeben. Das belegen auch die Mai-Zahlen in der größten Volkswirtschaft: Für Energie musste 23,5 Prozent mehr gezahlt werden als vor einem Jahr. Besonders stark war der Anstieg der Benzinpreise. Der Kraftstoff hat sich um etwa 40 Prozent verteuert. Warsh kündigte eine Sondereinheit an, die den «Ursachen» der Inflation nachgehen soll.