Der Schweizer Hanseat - Klaus-Michael Kühne ist tot
Autor: Markus Klemm, dpa
, Montag, 24. August 2026
Aus der mittelständischen Transportfirma Kühne+Nagel hat er einen Weltkonzern geformt. Seine Heimat Hamburg profitierte stark von ihm. Nun ist der Unternehmer und Mäzen Klaus-Michael Kühne gestorben.
Die meiste Aufmerksamkeit hat er in den letzten Jahren seines Lebens als Stifter einer neuen Oper in Hamburg, als Sponsor und Fan des HSV sowie als Luxus-Hotelier bekommen. Doch das wird seinem enormen Einfluss auf die Logistik-Wirtschaft nicht gerecht. Klaus-Michael Kühne, Inhaber des Konzerns Kühne+Nagel, hat die Branche mitgeprägt. In der Nacht zu Montag starb er nach Angaben des Konzerns im Alter von 89 Jahren im schweizerischen Schindellegi.
Kühne formte einen weltweit führenden Logistik-Konzern
Kühne musste schon als junger Mann Verantwortung tragen. Sein kränkelnder Vater wollte den einzigen Sohn an der Spitze des Familienunternehmens Kühne+Nagel sehen und betraute ihn früh mit Führungsaufgaben. «Zu früh», sagte Kühne einmal in einem Gespräch mit der «Zeit». «Ich habe manchen Fehler gemacht.» Und er habe auf vieles verzichten müssen.
Nach dem frühen Start entwickelte er aus dem mittelständischen Speditionsunternehmen einen weltweit führenden Logistik-Konzern. Dabei lief nicht immer alles glatt. Zweimal musste sich Kühne von Teilen seines Unternehmens trennen und kaufte sie später wieder zurück. Doch am Ende steht ein Weltkonzern mit mehr als 1.300 Niederlassungen in fast 100 Ländern und rund 88.000 Beschäftigten.
Wie reich Kühne wirklich war, wusste nur er selbst. Das Schweizer Wirtschaftsmagazin «Bilanz» hielt ihn jedenfalls für den reichsten Deutschen in der Schweiz. Schätzungen gingen im vergangenen Jahr von einem Vermögen von 35 Milliarden Euro aus. Das meiste Geld steckt in den Aktien seines Konzerns. «Ich sage immer, das ist Papiergeld, das steht nur auf dem Papier», gab er einmal lakonisch zu Protokoll. «Wenn der Kurs um zehn Prozent fällt, ist schnell eine halbe bis dreiviertel Milliarde weg.»
Kühne war auch der größte Aktionär der Lufthansa, er hielt zuletzt 20 Prozent der größten deutschen Fluggesellschaft. Seine Beteiligung an Immobiliengeschäften des Österreichers René Benko fiel ihm mit dem Kollaps von dessen Imperium auf die Füße: Er habe sich um den Finger wickeln lassen und eine halbe Milliarde Euro verloren, bekannte Kühne in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung».
Ein Hamburger in der Schweiz
Kühne ist in Hamburg geboren und aufgewachsen, ging am Heinrich-Hertz-Gymnasium zusammen mit dem Liedermacher und Lyriker Wolf Biermann in eine Klasse. Aber der Mittelpunkt seines Lebens war in den vergangenen Jahrzehnten der kleine Ort Schindellegi am Ufer des Zürichsees. Dorthin verlagerte die Familie Kühne nach 1969 aus steuerlichen Gründen die Zentrale ihres Firmenimperiums. Schon lange hatte sich Kühne offiziell aus dem operativen Geschäft zurückgezogen, zog als Mehrheitseigner und Ehrenvorsitzender des Verwaltungsrats jedoch immer noch die Fäden.
Seiner Heimatstadt Hamburg blieb Kühne auch nach dem Umzug in die Schweiz eng verbunden. Er engagierte sich mit rund einer Milliarde Euro bei Hapag-Lloyd und trug maßgeblich dazu bei, dass die Traditionsreederei in Hamburg bleiben konnte. Der kinderlos gebliebene Kühne unterstützte über Stiftungen das Kulturleben in Hamburg, hat Millionen für die Elbphilharmonie gegeben und eine Logistik-Hochschule in der Hansestadt gegründet.