Unruhe am Anleihemarkt - was droht Verbrauchern und Staat?
Autor: Alexander Sturm, dpa und Jürgen Krämer, dpa-AFX
, Freitag, 21. August 2026
Angst vor einer Eskalation im Nahen Osten und einer höheren Inflation: An den Finanzmärkten sind die Renditen für Anleihen auf Rekordstände gestiegen. Braut sich da eine größere Krise zusammen?
An den Finanzmärkten sind die Renditen von Staatsanleihen auf Rekordniveaus hochgeschossen, Nervosität macht sich breit. Die Turbulenzen bergen nicht nur Gefahren für die Börsen, sondern auch für den Staat - bis zum einzelnen Bürger. Die wichtigsten Fragen und Antworten.
Was ist los am Anleihemarkt?
An den Finanzmärkten werden die Folgen des Iran-Kriegs und einer stark steigenden Verschuldung vieler Industriestaaten sichtbar. Die Blockade von Öllieferungen aus dem Persischen Golf hat die Ölpreise hochgetrieben, was die Wirtschaft schwächt und die Inflation schürt. Die Aussicht auf eine höhere Teuerung setzt Notenbanken wie die EZB unter Druck. Wenn die Inflation zu stark steigt, müssen sie mit Zinserhöhungen dagegenhalten. Die Spekulation auf steigende Leitzinsen sorgt für den Anstieg der Renditen für Staatsanleihen.
Zuletzt hat sich die Lage zugespitzt, weil Anleger die Hoffnung verlieren, dass sich die Öllieferungen durch die Straße von Hormus wieder normalisieren. Bei einer Versteigerung von US-Staatsanleihen lagen die Renditen mit einer Laufzeit von 30 Jahren bei über fünf Prozent auf dem höchsten Stand seit 25 Jahren. «Die Renditen langfristiger US-Staatsanleihen haben inzwischen wieder Niveaus erreicht, die zuletzt vor der globalen Finanzkrise zu beobachten waren», schreibt die Deutsche-Bank-Fondstochter DWS.
Auch Deutschland bleibt nicht verschont: Bei den richtungsweisenden Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit stieg die Rendite bis auf 3,25 Prozent - der höchste Stand seit 15 Jahren.
Droht eine neue Schuldenkrise?
«Bislang sind steigende Anleiherenditen kein Anzeichen für eine unmittelbare Schuldenkrise», meint Eiko Sievert, der bei der Rating-Agentur Scope die Ratings für die USA und die EU verantwortet. Sie spiegelten aber wachsende Bedenken von Investoren wegen hoher Haushaltsdefizite wider.
Zumindest in den USA ist die Lage angespannt. Die Finanzpolitik unter Donald Trump wird an den Börsen zunehmend als Risiko gesehen, wenngleich noch nicht als Schuldenkrise. Jüngst hat der amerikanische Schuldenberg die Marke von 40 Billionen Dollar gerissen - eine 40 mit zwölf Nullen. Nach Einschätzung des Bankhauses Metzler muss das US-Finanzministerium rund 100 Milliarden Dollar pro Monat allein für Zinsen aufwenden - Tendenz steigend.
Noch sind die USA mit der Weltleitwährung Dollar resistenter für eine Krise als andere Länder. Aber sollte in Amerika eine Schuldenkrise ausbrechen, wären die Folgen an Finanzmärkten global und dürften Deutschland nicht verschonen.
Wie reagieren die USA?
Zuletzt hat die Regierung versucht, die Rendite für US-Staatsanleihen nach unten zu drücken, um den Schuldendienst günstiger zu machen. Mit der Ankündigung, künftig mehr eigene Anleihen kaufen zu wollen, konnte das US-Finanzministerium aber nur zeitweise die Renditen etwas senken.