Uniper will Rechenzentren an Kraftwerksstandorten ansiedeln
Autor: dpa
, Dienstag, 11. August 2026
Der Düsseldorfer Energiekonzern setzt auf neue Erlösquellen: An mehr als zehn Kraftwerksstandorten sollen künftig Rechenzentren entstehen. Drei Projekte sind bereits weit fortgeschritten.
Der Energiekonzern Uniper hat seine Pläne präzisiert, künftig auch mit der Ansiedlung von Rechenzentren an Kraftwerksstandorten Geld zu verdienen. «Wir entwickeln damit unsere Kraftwerksstandorte weiter zu Standorten für die KI-Wirtschaft», sagte Vorstandschef Michael Lewis in Düsseldorf.
«Mehr als zehn eigene Standorte mit geeigneter Infrastruktur haben wir entlang der europäischen Daten-Hubs bereits identifiziert.» Drei Projekte befänden sich in fortgeschrittener Entwicklung. «Ein erstes Projekt in Großbritannien haben wir schon abgeschlossen, weitere Investitionsentscheidungen erwarten wir im Verlauf dieses Jahres», so Lewis weiter.
Die nächste industrielle Revolution werde von Künstlicher Intelligenz angetrieben. «Und auch die beste KI braucht am Ende eines: sichere und verlässlich verfügbare Energie», sagte Lewis. Der Flaschenhals für den Bau neuer Rechenzentren seien Netzanschlüsse. «Die Entwickler warten in Deutschland oft Jahre auf Anschlusszusagen - wir haben die Anschlüsse bereits an vielen unserer Kraftwerksstandorte.»
Auch der Energiekonzern RWE entwickelt Rechenzentren auf eigenen Industriestandorten. Rund zehn Standorte sind nach RWE-Angaben in der Entwicklung.
Gewinn steigt deutlich
Uniper blickt nach den ersten sechs Monaten 2026 mit mehr Zuversicht auf das Gesamtjahr. Die Ergebnisprognosen wurden bestätigt und die jeweiligen Untergrenzen angehoben. Der bereinigte Nettogewinn soll am Ende jetzt zwischen 500 und 600 Millionen Euro liegen, was im schlechtesten Fall 150 Millionen Euro mehr wären als zuvor erwartet.
Im zweiten Quartal setzte sich die positive Dynamik vom Jahresbeginn fort. So erwirtschaftete Uniper zum ersten Halbjahr im Tagesgeschäft mit 711 Millionen Euro fast 90 Prozent mehr operatives Ergebnis als im Vorjahreszeitraum. Dabei profitierten die Düsseldorfer von einem starken Gashandelsgeschäft, weil hier dieses Jahr teure Umbaumaßnahmen wegfallen. Belastend wirkte hingegen der ungeplante Ausfall eines schwedischen Atomkraftwerks. Der bereinigte Gewinn des Konzerns verdreifachte sich fast auf 388 Millionen Euro.
Uniper gehört noch dem Bund
Uniper war als größter deutscher Gasimporteur 2022 in Schieflage geraten, als Russland nach dem Angriff auf die Ukraine kein Gas mehr lieferte. Deutschland rettete das Unternehmen mit Milliarden-Beihilfen und wurde quasi Alleineigentümer. Der Bund hat den Wiederverkauf jüngst in die Wege geleitet, dürfte sich aber zunächst noch nicht vollständig von den Anteilen trennen. Auch ein Börsengang ist im Gespräch.