Unicredit nähert sich Mehrheit an Commerzbank - Bund dagegen
Autor: Alexander Sturm, dpa
, Mittwoch, 08. Juli 2026
Eine Übernahme von Deutschlands zweitgrößter Privatbank wird realistischer: Die Unicredit hat mit ihrem Angebot ihren Anteil an der Commerzbank ausgebaut. Die will sich Gesprächen nicht verschließen.
Die Unicredit kommt einer Commerzbank-Übernahme näher: Mit ihrem Übernahmeangebot hat die Großbank aus Mailand die Mehrheit an Deutschlands zweitgrößter Privatbank nur knapp verfehlt. Das Management des Dax-Konzerns um Chefin Bettina Orlopp will sich einem konstruktiven Dialog mit Unicredit-Chef Andrea Orcel nicht verweigern - erneuert aber Zweifel an den Angaben der Italiener. Die Bundesregierung lehnt deren Vorgehen als «inakzeptabel» ab.
Nach Ablauf ihres Übernahmeangebots sicherte sich die Unicredit nach eigenen Angaben mehr als 44 Prozent der Anteile an der Commerzbank. Die Offerte wurde demnach bis Frist-Ende am 3. Juli für 17,6 Prozent der Commerzbank-Papiere angenommen. Zusammen mit den 26,77 Prozent, die die Unicredit schon zuvor hielt, steigt der Anteil damit rechnerisch auf 44,37 Prozent.
Das ist deutlich mehr als anfangs erwartet. Zudem haben die Italiener über Kaufoptionen Zugriff auf weitere 3,22 Prozent der Commerzbank-Aktien und könnten so auf 47,59 Prozent aufstocken. Die Unicredit sprach von einem «weiteren Schritt bei der Umsetzung der strategischen Investition in die Commerzbank». Für einen Vollzug des Aktientauschs stehen aber noch behördliche Genehmigungen aus.
Commerzbank offen für Gespräche
Die Commerzbank zeigte sich offen für einen konstruktiven Dialog in dem Übernahmekampf, der mit immer härteren Bandagen geführt wird: «Nur mit einer einvernehmlichen Lösung unter Einbindung der Unternehmensführung, der Arbeitnehmer und ihrer Vertreter sowie der Bundesregierung als zweitgrößtem Aktionär ist es aus Sicht der Commerzbank realistisch, Synergien aus einem Zusammenschluss in einem angemessenen Umfang und Zeitrahmen zu erreichen.»
Die Unicredit, die im September 2024 bei der Commerzbank eingestiegen war, hatte im Mai ein Angebot für den Dax-Konzern vorgelegt. Sie bot 0,485 eigene Aktien je Commerzbank-Papier. Damit vermied Unicredit-Chef Orcel ein Pflichtangebot, was beim Überschreiten der Schwelle von 30 Prozent gesetzlich vorgeschrieben ist und teurer geworden wäre.
Umgerechnet lag die Offerte der Unicredit lange unter dem Kurs der Commerzbank-Aktie. Zuletzt wurde das Angebot der Italiener aber mit dem deutlich gestiegenen Kurs der Unicredit attraktiver.
Zweifel an Unicredit-Angaben
Die Commerzbank lehnt eine feindliche Übernahme ab und erhält Unterstützung vom Bund. «Das aggressive und feindliche Vorgehen der Unicredit bleibt aus Sicht der Bundesregierung inakzeptabel», sagte ein Sprecher des Finanzministeriums. Der Bund werde seinen Aktienanteil von rund 12 Prozent nicht verkaufen.