Unicredit bietet für Commerzbank: «An der Zeit zu reden»
Autor: Alexander Sturm und Jörn Bender, dpa
, Montag, 16. März 2026
Die italienische Großbank kündigt eine Milliardenofferte für Deutschlands zweitgrößte Privatbank an. Mit einem listigen Manöver will Unicredit-Chef Orcel Commerzbank und Bund zu Gesprächen zwingen.
Die italienische Großbank Unicredit treibt mit einem milliardenschweren Übernahmeangebot die Commerzbank vor sich her und will Gespräche am Verhandlungstisch erzwingen. «Unsere Botschaft an die Commerzbank heute ist: Es ist jetzt an der Zeit, zu sprechen», sagte Unicredit-Chef Andrea Orcel in einer Telefonkonferenz.
Orcel kündigte an, in den kommenden Wochen einen «konstruktiven Dialog mit der Commerzbank und ihren Stakeholdern» führen zu wollen. Das zielt auf Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp sowie die Bundesregierung, die beide eine Übernahme der zweitgrößten deutschen Privatbank weiterhin vehement ablehnen.
Die Commerzbank sieht keine Grundlage für Übernahmegespräche mit ihrem größten Einzelaktionär. Orlopp kritisierte, die Unicredit lasse im Unklaren, wie eine wertstiftende Transaktion aussehen solle, zudem umfasse das nun angekündigte Angebot «faktisch keine Prämie für unsere Aktionäre». Auch der Bund bleibt hart: «Eine feindliche Übernahme wäre insbesondere mit Blick darauf, dass die Commerzbank eine systemrelevante Bank ist, nicht akzeptabel», sagte ein Sprecher des Finanzministeriums in Berlin.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sagte bei einem Treffen mit dem niederländischen Ministerpräsidenten Rob Jetten im Kanzleramt in Berlin, das Angebot sei Sache der beteiligten Banken. «Die politische Meinung der Bundesregierung dazu ist klar: Wir wollen die Eigenständigkeit der Commerzbank erhalten. Aber zunächst einmal muss jetzt die Commerzbank, der Aufsichtsrat, der Vorstand auf das Übernahmeangebot der Unicredit eine Antwort geben, und alles Weitere wird sich dann im Laufe der nächsten Wochen und Monate zeigen.»
Nächstes Manöver von Orcel
In einem freiwilligen Tauschangebot will die Unicredit für sämtliche Commerzbank-Aktien je 0,485 neue Unicredit-Papiere bieten. Das entspreche einem Preis von 30,80 Euro pro Commerzbank-Anteil oder einem Aufschlag von vier Prozent zum Schlusskurs vom 13. März. Damit bewertet die Unicredit die Commerzbank mit knapp 35 Milliarden Euro. An der Börse stiegen Commerzbank-Aktien am Montag um gut neun Prozent auf mehr als 32 Euro - ein Zeichen, dass Aktionäre auf ein höheres Angebot spekulieren.
Die Unicredit wirbt seit langem um die Commerzbank und ist mit einem direkten Anteil von 26 Prozent größter Aktionär des Frankfurter Dax-Konzerns. Inklusive Finanzinstrumenten kontrolliert die Großbank mit Sitz in Mailand 29,9 Prozent der Commerzbank-Anteile. Ab 30 Prozent wäre die Unicredit gesetzlich zu einer Übernahmeofferte verpflichtet.
Offizielles Angebot im Mai
Das Angebot ziele darauf, die rechtlich vorgesehene 30-Prozent-Schwelle zu überwinden. Zugleich betonte die Unicredit, sie erwarte, eine Beteiligung an der Commerzbank von mehr als 30 Prozent zu erreichen, «ohne die Kontrolle zu erlangen».