Showdown im Ringen um die Commerzbank
Autor: Jörn Bender, Alexander Sturm und Steffen Weyer, dpa
, Montag, 04. Mai 2026
Seit Monaten wehrt sich die Commerzbank gegen eine drohende Übernahme. Die Unicredit setzt den Dax-Konzern immer mehr unter Druck. Wie geht es weiter im Gezerre zwischen Frankfurt und Mailand?
Schluckt die Unicredit Deutschlands zweitgrößte Privatkundenbank? Seit mehr als eineinhalb Jahren versucht die Commerzbank, ihre Eigenständigkeit gegen zunehmenden Druck der Großbank aus Mailand zu verteidigen. Die Unicredit treibt ihre Pläne zur Übernahme des Frankfurter Dax-Konzerns trotz vehementer Widerstände aus Deutschland voran.
Nun stimmten die Unicredit-Aktionäre bei einer außerordentlichen Hauptversammlung der notwendigen Kapitalerhöhung zu, wie die Bank in Mailand mitteilte. Die Anteilseigner genehmigten die Ausgabe von bis zu 470 Millionen neuen Aktien im Nominalwert von bis zu 6,7 Milliarden Euro bis zum 31. Dezember 2027. Die Papiere will die Unicredit im Tausch für Commerzbank-Aktien anbieten.
Auf dieser Basis kann die italienische Großbank ihr Mitte März angekündigtes Angebot zur Übernahme sämtlicher Commerzbank-Anteile offiziell machen. Schon an diesem Dienstag (5.5.) soll das nach Worten von Unicredit-Chef Andrea Orcel geschehen. Am Freitag (8.5.) will dann die Commerzbank neue Finanzziele vorlegen, die ihre Aktionäre von einem eigenständigen Kurs überzeugen sollen - möglicherweise inklusive eines weiteren Stellenabbaus.
Unicredit will Commerzbank kaufen
Mitte März hatte die Unicredit angekündigt, sie wolle je Commerzbank-Papier 0,485 neue Unicredit-Papiere bieten. Das entspreche einem Preis von 30,80 Euro pro Commerzbank-Anteil oder einem Aufschlag von vier Prozent zum Schlusskurs vom 13. März. Auf dieser Basis bewertete die Unicredit die Commerzbank mit knapp 35 Milliarden Euro. Allerdings notierten Commerzbank-Aktien zuletzt deutlich höher, um die 35 Euro. Orcel hat sich offen gehalten, die Offerte nachzubessern.
Mit dem freiwilligen Tauschangebot will Orcel sich weitere Commerzbank-Anteile sichern und die Schwelle von 30 Prozent überschreiten, ohne ein - wahrscheinlich teureres - Pflichtangebot vorlegen zu müssen. Der Manager zeigte sich zuletzt siegessicher: «Der Prozess ist nicht mehr aufzuhalten», sagte Orcel jüngst der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung». «Ich bin zuversichtlich, dass es am Ende so kommen wird, weil die industrielle Logik klar ist und man am Ende des Tages nicht gegen die Schwerkraft ankommt.»
Auch der Unicredit-Verwaltungsrat sei überzeugt, dass «die Commerzbank eine Transformation durchlaufen sollte, um in der Zukunft erfolgreich zu sein», sagte dessen Vorsitzender, der ehemalige italienische Wirtschafts- und Finanzminister Pietro Carlo Padoan, auf der Hauptversammlung.
Ließ sich der Bund überrumpeln?
Eine unglückliche Rolle im Übernahmepoker spielt der deutsche Staat. Alles begann im September 2024: Der Bund, der die Commerzbank in der Finanzkrise 2008/2009 mit Steuermilliarden vor dem Kollaps bewahrt hatte und seither an ihr beteiligt ist, beschloss, 4,49 Prozent seiner Commerzbank-Aktien zu verkaufen. Der damalige Finanzminister Christian Lindner (FDP) begründete den Schritt wenig später damit, die Commerzbank sei «ein starkes Institut». Weil sie sich so gut entwickelt habe, sei eine Staatsbeteiligung «auf Dauer nicht nötig».