Hinzu kommt, dass Trumps aggressive Zollpolitik, die auch China zu spüren bekommt, seit dem Dämpfer vom Obersten Gerichtshof der USA ungeordneter verläuft und keine klare Linie erkennbar ist. Eigentlich sind die Zölle Trumps Steckenpferd seiner zweiten Amtszeit gewesen. Handelsabkommen mit China würden Trump helfen, gegen diese entstandene Unordnung anzugehen.
Flankiert wird Trumps Besuch von einer hochrangigen Wirtschaftsdelegation. Mit dabei sind Top-Manager aus den USA, darunter Tech-Milliardär Elon Musk und Apple-Chef Tim Cook. Auch der Chef des Chipherstellers Nvidia, Jensen Huang, war dabei. Die von dem Unternehmen produzierten Halbleiter gelten als besonders wichtig für die Entwicklung Künstlicher Intelligenz. Huang sagte vor Journalisten in Peking gar, dass der Gipfel «einer der bedeutendsten der Menschheitsgeschichte» sei.
Was will Xi?
Für Xi wäre der Gipfel nach Einschätzung von Experten schon dann ein Erfolg, wenn er ohne offenen Streit endet. Ein großer Durchbruch ist dafür nicht nötig. Entscheidend wäre, dass Trump danach nicht wieder mit neuen Zöllen oder Technologiebeschränkungen nachlegt.
Peking könnte Trump etwa zusätzliche Käufe von Agrarprodukten oder Boeing-Flugzeugen anbieten. Für China wäre der Preis überschaubar, weil es vieles davon ohnehin braucht. Der Gewinn wäre dagegen groß: Ruhe im Verhältnis zu den USA, Zeit für technologische Unabhängigkeit und die Möglichkeit, sich in der Welt als verantwortungsvolle Macht darzustellen.
Aus Sicht von Xi gehe es darum, «einen Deal zu finden, der China nicht zu viel kostet und sicherstellt, dass China von den USA als gleichrangig behandelt wird, und der China letztlich Zeit verschafft», sagt Jacob Gunter vom Berliner China-Institut Merics.
Warum bleibt das Verhältnis schwierig?
Das Verhältnis bleibt schwierig, weil ein Gipfel die Grundkonflikte kaum lösen kann. Die USA wollen ihr Handelsdefizit mit China verringern, besseren Zugang zum chinesischen Markt bekommen und zugleich Chinas technologischen Aufstieg begrenzen. Dabei geht es auch um Fragen, die sich nur schwer verhandeln lassen - etwa darum, wer bei KI und anderen Schlüsseltechnologien künftig führt. Die USA beanspruchen diese Rolle für sich, China ebenso.
Peking wiederum will sein Wirtschaftsmodell nicht grundsätzlich ändern. Starke Industriepolitik, staatliche Steuerung und hohe Investitionen in Technologie sind Kernpfeiler der Politik unter Xi. Um das Handelsdefizit strukturell zu verringern, müsste China «im Grunde all die Veränderungen zurückdrehen, die Xi Jinping am Wirtschaftsmodell des Landes vorgenommen hat», sagt China-Experte Gunter.