Trendwende: Warum jetzt etwas weniger Geflüchtete da sind
Autor: Anne-Beatrice Clasmann, dpa
, Sonntag, 15. März 2026
Erstmals seit Jahren sinkt die Zahl der Geflüchteten in Deutschland. Welche Rolle Grenzkontrollen, Abschiebungen, Einbürgerungen und politische Umbrüche in Syrien dabei spielen.
Erstmals seit 2011 ist die Zahl der in Deutschland lebenden Geflüchteten wieder leicht gesunken. Wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion hervorgeht, hielten sich zum Stichtag 31. Dezember knapp 3,53 Millionen Schutzsuchende hierzulande auf - rund 17.000 Geflüchtete weniger als ein Jahr zuvor. Die wichtigsten Fragen und Antworten:
Wie sieht die langfristige Entwicklung aus?
Die Gesamtzahl der in Deutschland lebenden geflüchteten Menschen hat sich 2015 im Vergleich zum Jahr davor fast verdoppelt. Ein Grund dafür war, dass Russland militärisch in den syrischen Bürgerkrieg eingriff - auf der Seite des damaligen Präsidenten, Baschar al-Assad.
Die Zahl der afghanischen Asylbewerber, die nach Deutschland kamen, nahm infolge der Machtübernahme der islamistischen Taliban 2021 zu.
Noch deutlich mehr Flüchtlinge kamen 2022, als Russland seinen Angriffskrieg auf die gesamte Ukraine begann und binnen weniger Monate rund eine Million ukrainische Staatsangehörige hierzulande Zuflucht suchten. Sie müssen keinen Asylantrag stellen, sondern werden auf Grundlage einer EU-Richtlinie für vorübergehenden Schutz aufgenommen.
Die Zahl der Menschen, die in Deutschland erstmalig Asyl beantragen, sinkt seit Herbst 2023. Wurden 2024 noch knapp 230.000 Asylerstanträge gestellt, so sank diese Zahl im vergangenen Jahr auf rund 113.000 Erstanträge.
Woran liegt das?
Dass es Ende 2025 etwas weniger Flüchtlinge in Deutschland gab als ein Jahr zuvor, hat einerseits mit den Grenzkontrollen zu tun. Nicht nur wird inzwischen an allen deutschen Landgrenzen kontrolliert, obwohl das im Schengen-Raum eigentlich gar nicht vorgesehen ist. Auch die Intensität der Kontrollen hat zugenommen. Zudem hat Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) im Mai angeordnet, im Regelfall auch Asylsuchende zurückzuweisen.
Doch es kamen zuletzt auch insgesamt weniger Schutzsuchende nach Europa. Außerdem sind unter denjenigen, die 2025 einreisten, viele Venezolaner, die es aufgrund der Sprache und der aktuell eher liberalen Migrationspolitik vor allem nach Spanien zieht. Ein wichtiger Grund für den Rückgang in Deutschland ist, dass Syriens Langzeitmachthaber im Dezember 2024 gestürzt wurde. Von den Syrerinnen und Syrern, die zwischen 2014 und 2016 eingereist waren, erfüllen überdies viele inzwischen die Bedingungen für eine Einbürgerung. Sie tauchen dann nicht mehr als Flüchtlinge in der Statistik auf.