Tiger-Ausbruch bei Leipzig: Ermittlungen nach Angriff in Dölzig
Autor: Nadine Wüste, Agentur dpa
Leipzig, Montag, 18. Mai 2026
Nach dem Ausbruch eines Tigers in Dölzig bei Leipzig ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen die Halterin wegen fahrlässiger Körperverletzung. Tierschützer fordern nach dem Vorfall strengere Regeln für die private Haltung von Wildtieren.
Nach dem Ausbruch eines Tigers in der Nähe von Leipzig ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Körperverletzung durch Unterlassen. Im Zentrum der Sicherheitsbehörden steht eine 52-jährige Frau, sagte Sprecherin Vanessa Fink. Ob es sich um die Besitzerin des Tigers, eine Dompteurin, handelt, ließ sie offen. In der Zwischenzeit fordern Tierschützer Konsequenzen aus dem dramatischen Vorfall.
Die Polizei hatte am Sonntag (17. Mai 2026) in der Ortschaft Dölzig einen Tiger erschossen, der zuvor aus dem Gehege der ehemaligen Zirkus-Artistin entkommen war.
Dompteurin nannte Tiger einen "Angsthasen"
Bei dem Ausbruch wurde ein 72 Jahre alter Mann schwer verletzt. Er erlitt laut Feuerwehr Biss- und Kratzverletzungen und war bisher nach Angaben der Staatsanwaltschaft nicht vernehmungsfähig. In der Anlage nahe der A9 leben jetzt noch acht Tiger, wie das Landratsamt Nordsachsen mitteilte.
Die Besitzerin des entlaufenen Tigers, die Dompteurin Carmen Zander, bestätigte der "Bild"-Zeitung, dass es sich um eines ihrer Tiere gehandelt habe. "Ja, es war mein Sandokan", zitierte sie die Zeitung. Anfragen der dpa ließ sie unbeantwortet.
Laut Zanders Internetauftritt handelte es sich um einen neun Jahre alten, rund 280 Kilogramm schweren Tiger. Sie bezeichnete ihn in einer Charakterisierung als "Angsthase". "Wenn er etwas nicht einschätzen kann, ist er schnell überfordert und wird unsicher. Ein Angriff kann von daher schneller und unerwarteter ausgelöst werden."
Tierschützer fordern Konsequenzen
Tierschutzorganisationen fordern ein Verbot privater Wildtierhaltungen. Der Fall zeige erneut, dass die Haltung von Wildtieren bei Privatpersonen weder tierschutzgerecht noch sicher sei, erklärte Paulina Kuhn, Fachreferentin für Wildtiere beim Deutschen Tierschutzbund.
Die Organisation Vier Pfoten rief zu einer Demonstration vor dem Tiger-Gehege in einem Gewerbegebiet auf.