Tiefkühl-Essensfabrikant profitiert vom Fachkräftemangel
Autor: Wolf von Dewitz, dpa
, Donnerstag, 21. Mai 2026
Es ist gewissermaßen eine der größten Gefriertruhen Europas: 43 Meter hoch, 60 Meter lang und 30 Meter breit. In der Halle lagert die Firma Apetito tonnenweise Tiefkühl-Gerichte. Das Geschäft brummt.
Ob Fischstäbchen, Rinderroulade oder Linsensuppe: In Zeiten des demografischen Wandels sieht sich der deutsche Tiefkühlkost-Lieferant Apetito langfristig auf Wachstumskurs. «Die Alterung der Gesellschaft spielt uns in die Karten: Die Nachfrage nach Verpflegung in Seniorenheimen oder Krankenhäusern sowie als Essen auf Rädern für ältere Menschen wird weiter steigen», sagte Firmenchef Jan-Peer Laabs der dpa in Rheine.
Apetito kam 2025 auf einen Umsatz von rund 1,4 Milliarden Euro und damit 4,6 Prozent mehr als 2024. Dieses Jahr soll der Zuwachs bei sechs bis sieben Prozent liegen und der Umsatz auf 1,5 Milliarden Euro klettern. Zum Gewinn äußert sich das Familienunternehmen nicht.
Zu den Tiefkühlkost-Konkurrenten gehört Hofmann-Menü aus Boxberg (Baden-Württemberg), das vor drei Jahren von der britischen Firma Compass gekauft wurde. Auch bei dieser Firma zieht das Geschäft an: Compass konnte den Umsatz in dem ersten Halbjahr seines bis September laufenden Geschäftsjahres konzernweit um neun Prozent auf 25 Milliarden US-Dollar (21,6 Milliarden Euro) steigern. Etwa zwei Drittel seines Geschäfts macht Compass in Nordamerika.
Jede fünfte deutsche Kita wird von Apetito beliefert
Die Tiefkühl-Branche setzt auf industrielle Massenfertigung. Bis zu 270 Tonnen Lebensmittel produziert Apetito jeden Werktag in Rheine und nutzt dafür 1600-Liter-Kessel. In der Großküche wirken die Menschen neben den riesigen Kesseln irritierend klein, die Erbsen, Kartoffeln und anderen Lebensmittel werden in schier endlosen Massen angeliefert und verarbeitet.
Die Firma versorgt auch Kindertagesstätten und Schulen. Nach Angaben der Firma bekommen rund 12.000 Kitas in Deutschland Tiefkühlnahrung von Apetito, die vor Ort warm gemacht wird. Das ist etwa jede fünfte deutsche Kita.
Die Firma hat rund 12.800 Beschäftigte. Sie expandiert im Ausland. So baut sie in England ein neues Werk, was die dortigen Produktionskapazitäten verdoppeln soll. Auch Produktionsstätten in den bislang aus Kanada belieferten USA und in Spanien seien eine Option, sagt Manager Laabs. «Spanien beliefern wir im Moment aus unserem Stammsitz in Rheine - das ist ein weiter Weg, der bis auf die Kanarischen Inseln führt.»
Fachkräftemangel ist Rückenwind für Tiefkühl-Geschäft
Ein weiterer Wachstumstreiber von Apetito ist der Fachkräftemangel: Altenheime, Krankenhäuser und große Schulen finden keine Köche mehr, die direkt bei ihnen arbeiten. «Am Arbeitsmarkt gibt es einen Notstand an Köchen, der in den nächsten Jahren noch größer wird», sagt Laabs. «Apetito löst dieses Problem: Wir ermöglichen Küchenbetrieb ohne Fachpersonal.»