Terror in Südbrandenburg? Polizei ermittelt nach Sabotage
Autor: Anja Mia Neumann und Fabian Nitschmann, dpa
, Mittwoch, 02. Sept. 2026
Unbekannte greifen das Stromnetz in Brandenburg an. Die Polizei ermittelt und durchkämmt das Gebiet rund um die Stromleitungen auf der Suche nach Beweisen.
Nach der Sabotage am Stromnetz in Südbrandenburg ermittelt die Polizei wegen der Bildung einer terroristischen Vereinigung. Zudem werde wegen des Verdachts der Störung öffentlicher Betriebe, Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion sowie Zerstörung wichtiger Arbeitsmittel ermittelt, teilte die Polizei mit.
«Derzeit sind Einsatzkräfte vor Ort, um den Bereich nach weiteren Beweismitteln abzusuchen», hieß es. Es komme dafür zu Sperrungen. Die Polizei durchkämmte in größeren Gruppen das Gelände und suchte den Boden Quadratmeter für Quadratmeter nach Spuren ab.
Bislang kein Bekennerschreiben aufgetaucht
Am Dienstagmorgen hatten Unbekannte versucht, in der Nähe des Umspannwerks Turnow-Preilack an der Grenze zu Sachsen, unweit des Kraftwerks Jänschwalde, die Stromversorgung zu stören. Wer hinter dem Angriff steckte, ist noch unklar. Nach Tatverdächtigen werde weiter gesucht – die Ermittlungen liefen in alle Richtungen.
Die Tatausführung sei anders als bei bisherigen Anschlägen auf die Stromversorgung, die der linksextremistischen Szene zugeordnet werden, sagte Landesinnenminister Jan Redmann (CDU) im Innenausschuss des Landtages. Bislang gebe es auch kein Bekennerschreiben. Ebenso wenig gebe es bisher aber einen Hinweis darauf, «dass eine ausländische Macht dahintersteht und mit geheimdienstlichen Mitteln agiert wurde».
Minister: «Haben verdammtes Glück gehabt»
Redmann geht nach eigenen Worten davon aus, «dass wir da verdammtes Glück gehabt haben». Nach jetzigem Stand habe nur einer von mehr als einem Dutzend «raketenähnlichen Gegenständen, die einen Treibsatz hatten», sein Ziel erreicht. Ein Geschoss habe es geschafft, ein Kabel in die Höchstspannungsleitung zu transportieren, um eine leitende Verbindung mit dem Erdboden herzustellen.
Es seien keine handelsüblichen Silvesterraketen gewesen, aber durchaus vergleichbar, sagte Redmann. Die Täter hätten die Geschosse direkt unter den Leitungen nahe dem Umspannwerk positioniert. Eine weitere Vorrichtung habe auch ausgelöst, aber vermutlich die Höchstspannungsleitung verfehlt. Am Tag der Tat hatten die Behörden von zwei Fällen gesprochen.
Laut Netzbetreiber 50Hertz ist der Angriff glimpflich ausgegangen. So gab es durch die Sabotage keinen Stromausfall. Das betroffene Umspannwerk in Brandenburg zählt dem Innenminister zufolge zu einem der relevantesten in Deutschland. Es liege an einer der leistungsfähigsten Nord-Süd-Verbindungen. Wäre der Angriff wie beabsichtigt geglückt, «hätte das durchaus auch eine Beeinträchtigung der Netzstabilität zur Folge haben können».