IG Metall fordert 32-Stunden-Woche bei gleichem Lohn: So reagieren Arbeitgeber - kommt eine 4-Tage-Woche?

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Das Logo der IG Metall.
Die IG Metall fordert neben einer Verkürzung der Arbeitszeit auch mehr Geld. Die Arbeitgeber lehnten die Forderungen umgehen ab.
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Daniel Karmann/dpa/Archivbild

32 Stunden bei vollem Lohnausgleich und 8,5 Prozent mehr Gehalt - das fordert jetzt die IG Metall als Einstieg für eine mögliche, künftige 4-Tage-Woche. Die Arbeitgeber der Eisen- und Stahlindustrie reagieren entsprechend auf die Forderungen.

In der nächsten Tarifrunde der nordwestdeutschen Eisen- und Stahlindustrie fordert die IG Metall eine Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit von 35 auf 32 Stunden bei vollem Lohnausgleich sowie 8,5 Prozent mehr Geld. Dies hat die Tarifkommission der Gewerkschaft am Mittwoch (06. September 2023) in Duisburg beschlossen. "Diese Arbeitszeitverkürzung wäre der Einstieg in die 4-Tage-Woche, die dadurch in vielen Bereichen möglich wird", sagte der Bezirksleiter der IG Metall NRW und Verhandlungsführer Knut Giesler laut Mitteilung. Die 8,5 Prozent-Forderung begründete er mit der hohen Inflationsrate. Die erste Verhandlungsrunde ist für Mitte November geplant. Die Friedenspflicht endet Ende November. In der Branche sind laut IG Metall rund 68.000 Menschen beschäftigt.

Die Arbeitgeber wiesen die Forderungen umgehend zurück. Viele Unternehmen benötigten während der Transformation zusätzliche, hochqualifizierte Arbeitskräfte zum Einfahren der neuen Anlagen zur klimaneutralen Stahlproduktion, teilte der Arbeitgeberverband Stahl mit. Dies sei angesichts des gravierenden Fachkräftemangels in der gesamten Wirtschaft herausfordernd genug. "Eine pauschale Arbeitszeitverkürzung auf 32 Stunden hingegen entzieht den Unternehmen diese dringend benötigte zusätzliche Arbeitskraft."

IG Metall fordert Verkürzung der Arbeitszeit - Arbeitgeber wiesen Forderung umgehend zurück

Eine Verkürzung der Arbeitszeit von 35 auf 32 Wochenstunden bei vollem Lohnausgleich führe zu einer Erhöhung der Stundenlöhne um 8,6 Prozent. Zusammen mit der Lohnforderung von 8,5 Prozent ergebe sich ein Gesamtvolumen von 17,1 Prozent. Dies überfordere die Leistungsfähigkeit der deutschen Stahlindustrie und gefährde sie existenziell.

Die IG Metall betonte, dass die Stahlindustrie aufgrund der Transformation zu grünem Stahl vor großen Herausforderungen stehe. Nach einer Übergangsphase werde es in einigen Jahren zu einem "Druck auf Beschäftigung" kommen. "Dann braucht es ein Instrument, damit Beschäftigte ihren Arbeitsplatz behalten können", so Giesler. Eine Arbeitszeitverkürzung spiele dabei eine herausragende Rolle: "Die vorhandene Arbeit wird auf mehr Schultern verteilt und sichert Beschäftigung."

Die Arbeitszeitverkürzung führe auch zu einer Win-win-Situation für Beschäftigte und Unternehmen. So wirke eine Arbeitszeitverkürzung bei den Beschäftigten stressreduzierend. Für Unternehmen bedeute dies weniger Krankheitsausfälle und eine höhere Produktivität.